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UK: Social Media-Verbot für unter 16-Jährige beschlossen

Das Social Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wirft hitzige Diskussionen auf
Die Ankündigung von Premierminister Keir Starmer, den Zugang zu sozialen Medien für alle unter 16-Jährigen zu verbieten, hat in Grossbritannien eine heftige Debatte ausgelöst. Um was geht es?

Hunderttausenden von Jugendlichen in Grossbritannien wird der Zugang zu Plattformen, über die sie online mit Freunden chatten können, ab 2027 gesperrt. «Heutzutage müssen Kinder ihren Weg in einer Welt finden, in der die Technologie in jeden Bereich ihres Lebens vordringt. Das kann ich einfach nicht länger hinnehmen. Deshalb geben wir den Kindern ihre Kindheit zurück», erklärte Premier Keir Starmer über X. Damit folgt er der Entwicklung in Australien, wo ein solches Verbot seit Ende 2025 gilt. Auch die französische Nationalversammlung hat einem Verbot zugestimmt. Weitere Länder wie Dänemark, Spanien oder Italien planen ebenfalls Massnahmen.

«Suchtprodukte»

Ähnliche Forderungen werden auch in der Schweiz immer lauter.

Zahlreiche Studien zeigen, dass soziale Medien die Hirnentwicklung negativ beeinflussen und Konzentration, Lernfähigkeit sowie die psychische Gesundheit von Jugendlichen beeinträchtigen können.

«‹Asoziale› Medien sind von Anfang an als Suchtprodukte konzipiert worden und deshalb sollten wir sie gleich behandeln wie andere Suchtprodukte auch», zitiert SRF etwa Peter G. Kirchschläger, Ethikprofessor an der Universität Luzern. Tabak und Alkohol seien ja bis zu einem gewissen Alter auch verboten.

Für den Grünen-Nationalrat Gerhard Andrey aus dem Kanton Freiburg ist die Situation «eine grosse Frustration und Überforderung bei Eltern und Jugendlichen». Selbst Mitgründer einer Digitalagentur und Vater von zwei Kindern, weiss er: «Das ist ein unüberwindbares Spiel gegen massive Geschäfts-Kapitalinteressen, wo wir mit raffiniertesten psychologischen Tricks an der Nase herumgeführt werden.» Er bringt auch die ethische Dimension ins Spiel: Algorithmen «stifteten einen dazu an, Dinge zu tun, die nicht gut für einen sind». Zudem «profitierten Unternehmen von Hetze, von Hass und von Häme». Die Forderung nach Schutz im Internet komme auch von den Jungen her, so Andrey.

Die andere Seite

Kritiker eines Verbots weisen darauf hin, dass soziale Medien auch Neugier wecken, Identität gewinnen und zur Wissensaneignung dienen könnten. Staatliche «Überwachung» sei eine Einschränkung von Kinderrechten, erklärte etwa die SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann. Zudem sei ein Verbot technisch nicht durchführbar – zu einfach sei eine Altersverifizierung im Internet umgehbar.

Chance für christliche Jugendarbeit

Zurück nach Grossbritannien. Nach Mark Gilmore, Politikberater bei der Evangelischen Allianz, ist klar: «Mit Inkrafttreten dieses Verbots müssen die Kirchen nun umso mehr Verantwortung übernehmen», wie er in einem Interview mit «Evangelical Focus» ausdrückt. Er weiss: «Viele Jugendliche sind in ihren Freundschaften stark auf soziale Medien angewiesen.» Der «Generation Angst» werde durch die sozialen Medien Angst eingeflösst, die sie durch noch mehr Rückzug in die digitale Welt zu kompensieren versuchte – ein Teufelskreis.

Ein Verbot sozialer Medien sei natürlich zunächst ein Problem für Jugendliche. Erfahrungen aus Australien zeigten, dass sich Jugendliche «isoliert und frustriert fühlen, wenn sie versuchen, die Zeit, die sie online waren, wieder in der realen Welt zu verbringen». Das sei für Kirchen eine echte, gute Herausforderung.

«Jugendclubs, Ferienlager, Missionsprojekte und Orte, an denen junge Menschen über ihre Online-Identität hinaus wahrgenommen und geschätzt werden, gewinnen dadurch enorm an Bedeutung», so Gilmore. «Hier bieten sich bedeutende missionarische Chancen, jungen Menschen jene Gemeinschaft im realen Leben zu bieten, die ihnen schon viel zu lange vorenthalten wurde.»

Bei der komplexen Frage nach Umgang bringen Christen die Perspektive ein, dass wir im Bilde Gottes und für Gemeinschaft geschaffen sind. «Soziale Medien können eine Ergänzung sein, sind jedoch kein adäquater Ersatz für die zwischenmenschlichen Beziehungen, für die wir geschaffen wurden.»

Jugendliche sind nicht die Zukunft der Kirche

Allzu lang sei davon ausgegangen worden, dass die Jugend die Zukunft der Kirche sei. Aber: «Jugendliche sind die Kirche», so Gilmore. Die Entscheidung, soziale Medien zu verbieten, habe massive Folgen für unter 16-Jährige: «Viele werden das Gefühl haben, dass die Regierung uns jetzt Freundschaften kaputtmacht.» Kirchen müssten diese Ängste aufnehmen und funktionierende Freundschaftsgruppen auf- und ausbauen. «Warum nicht zwei Abende pro Woche statt nur einem?» Er weiss: «Das alles ist nicht einfach, aber wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, in unsere jungen Menschen zu investieren, dann ist es jetzt.»

Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.

Datum: 20.06.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Evangelical Focus / SRF

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