Aktuelles

Belfast im Chaos: «Betet für Nordirland»

Bei ausländerfeindlichen Protesten in Belfast kam es zur Gewalt gegenüber Polizisten im Einsatz (Archivbild)
Nach dem brutalen Messerangriff eines Sudanesen auf der Strasse haben sich die schweren Unruhen in Nordirland ausgeweitet. Christen rufen zu dringendem Gebet auf – nicht zuletzt für die Diaspora-Kirchen in Belfast.

Am zweiten Abend in Folge ist es in Nordirland zu schwerer Gewalt bei ausländerfeindlichen Protesten gekommen. Fahrzeuge und Häuser wurden in Brand gesetzt, Steine und Flaschen auf die Polizei geworfen. Auslöser war die brutale Attacke des 30jährigen Sudanesen Hadi Alodid auf einen Mann auf der Strasse. Videos der Tat verbreiteten sich rasant in sozialen Netzwerken. Die Polizei nahm den Verdächtigen fest und hat ihn dem Richter vorgeführt. Hunderte von Menschen kamen spontan zusammen und protestierten gegen Migranten und Einwanderung.

«Viele haben Angst, viele sind wütend, bitte betet»

Die Ausschreitungen richteten sich gegen Häuser und Autos von Einwohnern mit ethnischem Hintergrund, was Angst und tiefe Verunsicherung auslöste. Paul Coulter vom Centre for Christianity in Society ist einer der vielen Christen, die auf die Ereignisse in seiner Region reagiert haben. «Bitte bringt Nordirland vor den Herrn. Wie viele, die hier leben, trauere ich seit 24 Stunden um zwei schreckliche Vorfälle: einen brutalen Messerangriff und den Tod einer Familie, die flüchten musste, weil ihr Haus in Brand gesetzt wurde. Diese Ereignisse haben uns zutiefst erschüttert», schrieb er auf Facebook.

«Viele haben Angst, viele sind wütend – verständlicherweise, doch Wut schürt leicht tiefere Strömungen der Entfremdung, des Grolls, der Entrechtung, der Hoffnungslosigkeit und in manchen Fällen auch des unverhohlenen Rassismus.»

Welche Zukunft für Nordirland?

«Viele fragen sich, welche Zukunft möglich ist», so Coulter weiter. «Sie sehnen sich nach einer Gesellschaft, in der wir friedlich zusammenleben können, sind sich aber unsicher, welche Werte wir teilen oder was uns über unsere Unterschiede hinweg vereinen kann. Genau diese Frage ist die langfristige Herausforderung für Nordirland, und das schon seit Jahrhunderten, nicht erst seit den jüngsten Einwanderungswellen.»

Und er ruft auf: «Betet für ein Ende der Gewalt und Einschüchterung. Betet für besonnene Reflexion und Mässigung. Betet um Mut für Führungskräfte, Nachbarn, Kirchen und Gemeinschaften, damit sie die schwere Arbeit leisten, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Betet vor allem dafür, dass die Menschen Christus kennenlernen, in dem Gerechtigkeit und Liebe, Gnade und Wahrheit, Würde und Verantwortung zusammenkommen.»

Leiter der Diaspora-Gemeinden besorgt

Laura Sanlon, christliche Missionarin und Wissenschaftlerin, die ebenfalls aus Nordirland stammt, rief angesichts der «schrecklichen Gewalt in einigen Gegenden» ebenfalls zum Gebet auf. «Die Lage ist sehr besorgniserregend. Wir wissen aus Erfahrung, wie ein Ereignis wie dieses Gewalt schüren kann und oft als Vorwand für Gewalt dient.»

Sanlon organisierte zusammen mit anderen Mitgliedern von Intercultural Ministries Ireland ein spontanes Online-Gebetstreffen, an dem etwa 50 Personen teilnahmen. «Wir vertrauen in dieser Situation auf Gott und beten um Ruhe und Frieden», sagt sie. «Diese Situation löst bei allen hier lebenden Nationalitäten grosse Angst aus. Auch die Leiter der Diaspora-Gemeinden sind besorgt. Wir beten für sie und für Frieden statt Angst. Wir beten, dass dies für viele eine Gelegenheit sein möge, bei Gott nach Antworten und Hilfe zu suchen.»

Zum AutorReinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.

Datum: 11.06.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet, Evangelical Focus, Spiegel

Werbung
Livenet Service
Werbung