«Die Auferstehung steht für mich ausser Zweifel»
Er war ein Mahner gegen Hunger, Ungleichheit und Machtmissbrauch. Nun ist die Stimme von Jean Ziegler verstummt. Der Genfer Soziologe, Globalisierungskritiker und frühere UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb über ihn: «Der Revolutionär im Massanzug – der streitbare Genfer Soziologe ist mit 92 Jahren an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben. Auch wenn er es mit der Wahrheit nicht immer so genau nahm und ein Faible für Autokraten hatte: Er behielt in vielem recht.» Bezeichnend war zum Beispiel sein Buch «Ändere die Welt! – Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen».
Jean Ziegler verfügte über Anstand, Stil und Charme, und Humor hatte er auch. Und er war gläubiger Christ. Er sagte: «Es ist meine Pflicht, als Privilegierter für die Erniedrigten einzustehen. Ich hatte mein ganzes Leben Glück, machte Karriere als Professor, war im Nationalrat und lange für die UNO als Berichterstatter für das Recht auf Nahrung unterwegs.» Vor allem hat er die Opfer aus nächster Nähe kennengelernt – ihre Armut, ihr Sterben. «Ich bin wirklich überzeugt von Gottes Fügung. Ich könnte zehn Beispiele geben, wie ich einen Flugzeugabsturz in Kuba überlebte, wie ich heil über ein Minenfeld in Guinea-Bissau gekommen bin. Ich bin mir sicher: Dass ich hier bin, ist kein Zufall. Ich bin mir sicher: Wenn ich sterbe, werde ich erwartet. Die Auferstehung, in welcher Form auch immer, steht für mich ausser Zweifel.»
Das Christentum hatte für ihn auch eine politische Dimension. So sagte Jean Ziegler in einem Interview mit reformiert: «Der revolutionärste Text der Welt, den es wahrscheinlich gibt, steht im Matthäus-Evangelium: 'Ich war hungrig, ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war gefangen, ihr habt mich besucht, ich war durstig, ihr habt mir zu trinken gegeben.'»
Den Sonntag retten
Kirche und Linke spannen zusammen – um den Sonntag zu retten, berichtet SRF. «Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tag sollst du ruhen», heisst es im Alten Testament. Doch eine Mehrheit der Kantone will das Arbeitsverbot an Sonntagen aufweichen. So sollen Geschäfte und Einkaufszentren an bis zu zwölf statt wie bisher vier Sonntagen bewilligungsfrei geöffnet sein dürfen. Sonntagsarbeit ist gesetzlich verboten, auch um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen. Allerdings gibt es Ausnahmen vom Verbot, etwa für Geschäfte an Bahnhöfen, in Tourismusgebieten oder für Spitäler oder die Gastronomie.
Der Ständerat will die «Oase der Erholung» schützen und hat gegen eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten votiert. Er trat auf einen entsprechenden Gesetzesentwurf nicht ein und will es bei vier bewilligungsfreien Sonntagsverkäufen im Jahr belassen. Das Ansinnen sei unsozial, gefährde die Gesundheit der Angestellten und missachte demokratische Entscheide, hiess es in der Eintretensdebatte vonseiten der Ratslinken, berichtet Watson.
Eine ungewöhnliche Allianz kämpft schon länger dafür. Es gibt eine grosse «Sonntagsallianz». Sie ist ein europaweit aktives Bündnis mit rund 30 Verbänden, Parteien oder Kirchen. Dieses setzt sich für den arbeitsfreien Sonntag ein. Bei der im Ständerat nun gescheiterten Anpassung handelt es sich bereits um den zweiten Anlauf für mehr Sonntagsverkäufe in jüngerer Zeit. Im Februar des vergangenen Jahres gab der Bundesrat bekannt, die Arbeiten zur Neuregelung des Sonntagsverkaufs auf nationaler Ebene eingestellt zu haben.
30 Jahre Fabrikchilä
Die «Fabrikchilä» und das Hilfswerk SFI feierten ihr 30-jähriges Bestehen in Buttikon. Die rund 180 Anwesenden genossen einen ausgiebigen Brunch in der ehemaligen Maschinenfabrik. Danach gab es Einblicke, Erfahrungen und Begegnungsräume zum Austauschen, berichtet der «March Anzeiger». Die Fabrikchilä ist eine Freikirche mit durchschnittlich 90 Gottesdienst-Teilnehmenden. Alle Gottesdienste sind öffentlich. Das Hilfswerk SFI organisiert seit Beginn Hilfsgütertransporte hauptsächlich mit Kleidern und Schuhen nach Osteuropa. Die Ukraine war schon immer Schwerpunkt der Hilfe. Mit Kriegsbeginn ist der Bedarf noch dringender geworden.
Sagrada Familia: 100. Todestag von Gaudí
Pünktlich zum 100. Todestag des «Architekten Gottes» Antoni Gaudí besucht der Papst Barcelona. Als Teil seiner Spanienreise segnet Papst Leo XIV. den Jesus-Christus-Turm der Sagrada Família – mit 172,50 Metern der höchste Kirchturm der Welt. Die «Bibel aus Stein» ist ein Publikumsmagnet. 2025 strömten rund 4,9 Millionen Menschen in die Kathedrale, die damit Eintrittsgelder von etwa 120 Millionen Franken erwirtschaftete. Diese Mittel fliessen grösstenteils direkt in die Fertigstellung des Baus.
Der Grundstein für das Bauwerk wurde 1882 ausserhalb der Stadt und weit abseits der Häuser gelegt. Gaudís Lebenswerk war bei seinem Tod erst zu rund 15 Prozent fertig. Auch jetzt – 144 Jahre nach Baubeginn – ist der Monumentalbau noch nicht abgeschlossen. Die Vollendung wird erst für die 2030er Jahre erwartet. Leider ist Gaudís ursprüngliche Idee einer Kirche als «Bibel aus Stein» als Trost für die des Lesens oft unkundigen Arbeiter und ihre Familien in Vergessenheit geraten. Nicht der Stein macht eine Kirche aus, sondern der Glaube. Die Ideen des Architekten Gaudí prägen Barcelona bis heute, berichtet die Tagesschau von ARD. Vielerorts gibt es von ihm entworfene farbenfrohe Wohnhäuser oder auch den Park Güell mit seinen geschwungenen Bänken, die mit bunten Keramikscherben verziert sind. Gaudí gilt heute als prominentester Vertreter des katalanischen Modernismus, einer Variante des Jugendstils.
Zum Autor: Markus Baumgartner ist Inhaber der Kommunikationsagentur b-public AG und u.a. Mediensprecher Dachverband Freikirchen.ch, Co-Präsident Forum Christliche Führungskräfte, Vizepräsident der Agentur C und Herausgeber des Dienstagsmail.
Datum: 14.06.2026
Autor:
Markus Baumgartner
Quelle:
Livenet