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«Die Gesellschaft verliert so oder so»

Die Verschärfung des Zivildienstgesetzes hätte schwerwiegende Folgen für viele Organisationen.
Am 14. Juni 2026 stimmt die Schweiz über eine Verschärfung des Zivildienstgesetzes ab. Die Stiftung Heilsarmee Schweiz sieht dies kritisch. Ein Apell von Mediensprecher Simon Bucher.

«Zivildienstleistende sind in dieser Situation eine grosse Hilfe, um Engpässe zu überbrücken und abzufedern.» Dieses Zitat von mir erschien vor wenigen Tagen im Tages-Anzeiger – und es bringt auf den Punkt, warum für Organisationen wie die Stiftung Heilsarmee Schweiz durch die Zivildienstreform so viel auf dem Spiel steht.

Mehr als 500 junge Männer leisten jährlich Einsätze in Institutionen der Heilsarmee: Sie arbeiten in Wohnangeboten für Menschen mit Beeinträchtigung, in Alters- und Kinderheimen, Notschlafstellen, Flüchtlingsunterkünften oder in den Brockis, helfen in der Hauswirtschaft, sortieren Kleider – und füllen Lücken, die sonst kaum geschlossen werden könnten.

Die Gewissensfreiheit ist zentral

Die Heilsarmee anerkennt die wichtige Aufgabe der Armee. Viele junge Männer aus dem Umfeld der Organisation leisten überzeugt Militärdienst. Gleichzeitig ist die Gewissensfreiheit für die Heilsarmee ein zentrales Grundrecht. Wer den Militärdienst aus Gewissensgründen nicht leisten kann, soll die Möglichkeit haben, einen zivilen Ersatzdienst zugunsten der Gesellschaft zu leisten. Dafür müssen Zivildienstleistende schon heute 50 Prozent mehr Diensttage leisten als sie es in der Armee müssten.

Zivildienst hilft gegen den Fachkräftemangel

Ausserdem muss man den zunehmenden Fachkräftemangel in Pflege, Betreuung und Sozialpädagogik beachten. Auch für soziale Institutionen wie die Heilsarmee wird es immer schwieriger, offene Stellen zeitnah zu besetzen. Namentlich in der Alterspflege wird der Personalbedarf gemäss offiziellen Prognosen in den nächsten Jahren massiv zunehmen. Zivildienstleistende helfen, personelle Engpässe zu überbrücken und Teams zu entlasten.

Vor allem aber erleben viele junge Männer während ihres Zivildienstes erstmals, wie sinnstiftend die Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenslagen sein kann. Nicht selten entsteht daraus später ein berufliches Engagement in Pflege, Betreuung oder Sozialpädagogik. Aus Sicht der Heilsarmee ist der Zivildienst deshalb mitentscheidend, ob die Schweiz in Zukunft noch genügend Personal für die Pflege und Betreuung finden wird.

Wird der Zugang zum Zivildienst eingeschränkt, werden diese jungen Männer nicht plötzlich Militärdienst leisten. Sie werden sich auf dem «blauen Weg» ausmustern lassen. Die Gesellschaft verliert so oder so.

Zum Autor: Simon Bucher arbeitet seit fast drei Jahren für die Heilsarmee Schweiz und leitet den Bereich Medien & Public Affairs.

Datum: 25.05.2026
Autor: Simon Bucher
Quelle: Livenet

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