Reue brachte ihn zu einem unglaublichen Comeback
«Mein Vater war ein Veteran des Zweiten Weltkriegs, er war beim D-Day sowie an der Schlacht in den Ardennen dabei, wo er verwundet wurde», gewährt Mike Flynt einen Einblick in das Familienleben; seine Geschichte führte unlängst zum Film «The Senior» von «Angel Studios» (bekannt von «The Chosen»).
«Der Krieg hatte enorme Auswirkungen auf meinen Vater. Meine Mutter stammte aus dem englischen Nottingham. Als mein Vater nach seiner Verwundung in der Ardennenschlacht in der Reha war, lernten die beiden sich in London kennen, sie verliebten sich und heirateten.»
Schon früh brachte ihm sein Vater bei, auf sich selbst aufzupassen. So schulte er ihn bereits als Kind im Boxen. «Dass mein Vater mir in so jungem Alter diesen Druck auferlegte, ist meiner Überzeugung nach der Grund dafür, dass ich im Sport erfolgreich war und dass ich mir Fitness zum Lebensstil gemacht habe.»
Ein Kampf kostete alles
Er war ein hervorragender Football-Spieler an der Sul Ross Universität. «Meine Teamkollegen hatten mich zum Teamkapitän gewählt, was eine grosse Ehre war, da es eine Entscheidung des Teams war.»
Die Verwaltung jedoch teilte diese Meinung nicht, weil er im Zeitraum von zwei Jahren zehn Faustkämpfe ausserhalb des Spielfelds ausgetragen hatte.
In seinem Senior-Jahr kehrte er zurück, um die Conference-Meisterschaft zu gewinnen. «Die Trainer hatten mich damit beauftragt, die Zimmer zur Ausgangssperre zu kontrollieren, um sicherzustellen, dass alle pünktlich wieder zurück waren. Ein paar Freshmen waren zwar da, sie hatten aber getrunken. Einer von ihnen nahm es mir übel, dass ich ihm sagte, wann er kommen und gehen durfte.» Das Ganze wurde körperlich, und Mikes Kontrahent wurde verletzt. Er wurde aus dem Team ausgeschlossen.
Schuldgefühle
Die Saison des Teams verlief ohne Mike Flynt schwach. «Das Team hatte nicht einmal eine positive Bilanz. Ich machte mich verantwortlich dafür und das machte alles nur noch schlimmer.»
Er zog weiter und lernte im Studium an der Universität von Texas Eileen kennen. «Sie führte mich zu Christus.» Der Durchbruch erfolgte Jahre später, als die beiden längst verheiratet waren – und zwar als ein Geschäftsvorhaben implodierte. «Plötzlich stand meine ganze Welt Kopf. Zu dieser Zeit trank ich sehr viel.» Im Eifer sprach er sogar über Suizid.
Er nahm die Bibel zur Hand, kam aber irgendwie nicht voran. «Eileen hatte ein sechzehnbändiges Kinderlexikon zur Bibel gekauft. Ich nahm Band eins heraus – mit Bildern und für Kinder unter zwölf geschrieben. Ich las alle sechzehn Bände. Ich ging das ganze Set durch. Nun konnte ich es verstehen. Danach nahm ich wieder meine Bibel zur Hand.»
Niemand wusste davon
Mike Flynt wurde erfolgreich in der Fitnessbranche und mit der Zeit besass er sogar Patente. Doch gelegentlich poppte die Reue der verpassten Senior-Jahre im College-Football wieder auf.
Mit 59 Jahren war eine Art Klassentreffen geplant. Ihm war klar, dass das Ganze nach spätestens nach fünf Minuten zur Sprache kommen würde. «Also kam es für mich nicht infrage, hinzugehen.» Eileen verstand seine Entscheidung nicht, er hatte niemandem von seinen Reuegefühlen erzählt. Und sie ermutigte ihn, hinzugehen.
«Meine grösste Reue»
Beim Treffen angelangt, kam das Thema schnell zur Sprache. Mike Flynt liess seinen Gedanken freien Lauf: «Was mich mehr als alles andere beschäftigt, ist, dass ich glaube, dass ich immer noch spielen kann. Euch enttäuscht zu haben, ist das, was ich im Leben am meisten bereue. Und dann zu wissen, dass ich wirklich glaube, dass ich noch spielen könnte, macht es nur noch schlimmer.»
Einer sagte: «Wenn du glaubst, dass du noch spielen kannst, warum tust du es dann nicht?» Und Mike antwortete: «Es gibt keine Möglichkeit, dass ich nach 37 Jahren noch spielberechtigt bin.» Doch sein Gegenüber liess nicht locker: «Wenn das deine grösste Reue im Leben ist – wenn du glaubst, dass du mit den Jungs mithalten kannst, wenn du glaubst, dass du die Hits einstecken kannst – dann musst du das prüfen.»
Er erfuhr von der NCAA, dass er noch eine Spielberechtigung für ein Semester übrig hatte, und traf sich mit dem aktuellen Coach der Mannschaft. Der Coach hörte ihm zu, wie er nach Jahrzehnten der Reue zurückgekehrt war, um einer Gruppe junger Männer zu helfen, die er nicht einmal kennt, um etwas für die Jungs wiedergutzumachen, die er vor all den Jahren enttäuscht hatte. Er überzeugte ihm Probetraining und wurde ins Kader aufgenommen.
Zurück aufs College!
Zurück zuhause eröffnete Mike Flynt seiner Frau: «Eileen, wir gehen zurück aufs College. Wir ziehen nach Texas. Der Coach gibt mir eine Chance, es in dieses Team zu schaffen.» Sie reagierte überrascht und er erklärte: «Ich habe mehr als die Hälfte meines Lebens mit Reue über einen Fehler gelebt, den ich gemacht habe. Und jetzt gibt mir der Coach die Möglichkeit, das letzte Kapitel meiner sportlichen Laufbahn neu zu schreiben. Ich muss es versuchen.»
Bei seiner Rückkehr ins Team war er acht Jahre älter als sein Coach und zwei seiner Kinder waren älter als seine Team-Kameraden. Zunächst verpasste er die ersten beiden Spiele der Saison 2007 wegen eines eingeklemmten Nervs, der sich als zwei Bandscheibenvorfälle in seinem Nacken herausstellte. Als er sich später in der Saison schliesslich erholt hatte, kam Flynt in einigen Spielsituationen in den Special Teams zum Einsatz. Die ganze harte Arbeit, sagte er, habe sich gelohnt, um wieder die Pads anziehen zu können.
Die «Los Angeles Times» kommentierte in einem Hintergrundbericht zu seinem Comeback-Spiel: «Es war keine Leistung für die Highlight-Zusammenstellung – Flynt krachte bei den Special Teams mit jungen Männern zusammen, die nur ein Drittel so alt waren wie er, während Sul Ross mit 45:42 nach doppelter Verlängerung gegen die Texas Lutheran University gewann. Doch er erfüllte seine Blocks souverän und blieb unverletzt, womit er zu einem der ältesten Männer wurde, die jemals NCAA-Football gespielt haben. Vor einem Jahrzehnt stand Edgard Barreto im Alter von 60 Jahren für die Ashland University in Ohio auf dem Feld – allerdings nur für einen Spielzug.» Sul Ross reihte sich 2007 auf Rang 6 von 9 Teams ein.
Andere werden berührt
In einer TV-Show erzählte er seine Geschichte. Monate später sass er in einem Restaurant, wo ihn ein Mann ansprach: «Sie spielten eine Rolle dabei, mein Leben zu retten.» Der Mann hatte bereits Vorkehrungen für seinen Suizid getroffen. Er ging wieder ins Haus zurück, wo der Fernseher lief. «Sie haben darüber gesprochen, wie Sie Selbstmord in Erwägung gezogen hatten, dann aber Ihr Herz vor Gott ausgeschüttet, ein Glaubensbekenntnis zu Christus abgelegt haben und er Sie gerettet hat. Ich dachte nur: ‘Gott, wenn du es für Mike tun kannst, kannst du es auch für mich tun.’»
Mike Flynt war tief bewegt. Heute sagt er: «Das hat mich zutiefst bewegt. Es war eine unglaubliche Bestätigung und Ermutigung dafür, Schwächen in meinem Leben zu teilen, Bereiche, mit denen ich gekämpft habe – nicht aus Stolz, um diese Dinge verborgen zu halten –, weil so viele Menschen wissen müssen, dass jemand anderes es überwunden hat und dass Christus da war. Und dass sie dieselben Sorgen, dieselben Schwächen zu ihm bringen können und wissen dürfen: Wenn er es für Mike getan hat, dann kann er es für jeden tun.»
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