Als Architekt Reich Gottes bauen
Beat Schlegel entwickelt und realisiert als Projektentwickler und Bauherrenvertreter Bauprojekte mit einem ganzheitlichen Blick auf Mensch, Qualität und Nachhaltigkeit. Im Interview mit Daniel Gerber gibt Beat Schlegel einen Einblick in seine Arbeit als Architekt, bei der er sowohl solide, irdische Gebäude errichtet, aber gleichzeitig auch felsenfestes Reich Gottes baut.
Beat Schlegel, wie hat dein persönlicher Glaube deinen Führungsstil geprägt?
Beat Schlegel: Die Reich-Gottes-Perspektive und der Auftrag, den wir von Jesus erhalten haben, sind für mich Leitschnur und Ziel zugleich. Dabei werde ich selbstverständlich oft neu herausgefordert. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich mich frage, ob ich wirklich nach Gottes Prinzipien entscheide und handle. Auch wenn der Heilige Geist manchmal klare Zeichen gibt, muss ich leider feststellen, dass ich oftmals besser hätte entscheiden können beziehungsweise die Zeichen falsch interpretiert habe. Es ist ein lebenslanger Lernprozess, in dem man hinfällt und wieder aufsteht. Ich bin dankbar, dass ich in den letzten Jahren lernen durfte, mich selbst aus dem Zentrum herauszunehmen und immer mehr Jesus diesen Platz einzuräumen. Immer dann, wenn der Führungsstil von Jesus wirkt, wird das Reich Gottes sichtbar – und die Menschen reagieren darauf, auch solche, die nicht im Glauben stehen.
Führen bedeutet für mich in erster Linie Dienen – ganz im Sinne Jesu, der sagte: «Wer unter euch gross sein will, der sei euer Diener.» Dieser Massstab verändert den Umgang mit Menschen, mit Fehlern und auch mit Erfolg. Demütig und authentisch den Mitarbeitenden, Kunden, Partnern, Handwerkern und Planern zu begegnen sowie Dankbarkeit und Wertschätzung zu zeigen, ist für mich Ausdruck eines gelebten Glaubens, der nach aussen wirkt.
Gab es einen Moment, in dem dein Glaube deine Führung grundlegend verändert hat?
An einen konkreten Moment kann ich mich nicht erinnern. Es handelt sich vielmehr um einen Prozess. Begonnen hat dieser, als ich vor 15 Jahren die Schule für Biblische Geschäftsprinzipien (SBG) absolviert habe. Ich habe dort gelernt, dass auch wir als Geschäftsleute – neben Pastoren oder anderen geistlichen Leitern – einen wichtigen Dienst in der Welt versehen und dazu beitragen können, die Welt zu verändern und das Evangelium in den Alltag hineinzutragen. Die Erkenntnis, dass mein Beruf kein Hindernis für den Glauben ist, sondern selbst Teil meiner Berufung, war für mich prägend. Gott braucht nicht nur Menschen im vollzeitlichen Gemeindedienst, sondern auch Unternehmer, Projektentwickler und Bauherrenvertreter, die sein Reich in der Welt sichtbar machen.
Wie triffst du schwierige Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Erfolg und biblischen Werten?
Hier hilft mir das Gleichnis des treuen Verwalters und der anvertrauten Talente (Matthäus Kapitel 25, Verse 14 bis 30). Jesus wusste, dass uns diese Frage herausfordern würde, und gab uns auch dazu eine praktische Botschaft mit. Erfolg zu haben ist etwas Gutes und Wichtiges – und oft auch die Voraussetzung dafür, dass Frucht entstehen kann. Dabei aber Gott treu zu dienen, muss immer der Fokus sein. Nicht dem Geld zu dienen, sondern das Geld den Menschen dienen zu lassen.
Im Wissen, dass ich nur ein schwacher Mensch bin, bitte ich Gott immer wieder, die Führung zu übernehmen – mir einerseits klare Zeichen zu geben und andererseits auch Misserfolg zuzulassen, wenn ich nicht auf dem christlichen Weg bin. Diesen Weg habe ich auch im Namen meiner Firma, c-ways, festgehalten. Bei wichtigen und schwierigen Entscheidungen versuche ich, «nur» die Segel zu setzen und dann zu warten, ob Gott für den Wind sorgt. Wenn nur der weltliche Erfolg das Ziel ist und nicht Gottes Plan, bleibt nachhaltiger Erfolg meistens aus – egal, ob es um Finanzen, Beziehungen, Gesundheit oder Materielles geht. Wenn wir uns aber auf Gott und sein Reich ausrichten, kann es gut sein, dass wir noch mehr Erfolg haben werden. Es liegt in seiner Hand. Immer wenn ich spüre, dass Gottes Wind meine Vorhaben vorwärtstreibt, ohne dass ich viel dafür tun muss, werde ich mit grosser Zufriedenheit und Dankbarkeit erfüllt. Selbstverständlich verschwinden die Spannungsfelder nicht vollständig. Ab und zu braucht es aber Mut, Vertrauen und Geduld, um auf den verheissenen Segen warten zu können.
Erzähle von einem persönlichen Scheitern; was hast du daraus gelernt – und was können wir daraus lernen?
Scheitern gehört dazu. Es ist zwar nicht schön, und es geht einem dabei auch nicht gut. Eine der jüngsten Niederlagen war, als ich mich bei einer Rekrutierung zu schnell für eine Mitarbeiterin entschieden habe, welches sich bereits nach kurzer Zeit als Fehlbesetzung herausgestellt hat. Bedauerlicherweise musste ich sie schon in der Probezeit wieder entlassen. Die Zeit der Trennung war für alle Beteiligten äusserst belastend und kostete auch mich einige schlaflose Nächte. Ich habe dabei gelernt, dass nicht die Mitarbeiterin das Problem war, sondern dass ich mich von äusseren Umständen leiten liess. Hätte ich im Gebet besser auf den Heiligen Geist gehört, hätte viel Schmerz vermieden werden können.
Mein Fazit: Bei allen wichtigen Entscheidungen noch mehr auf den Heiligen Geist zu hören, noch mehr im Gebet um die richtige Entscheidung ringen – und wenn es trotzdem die falsche Entscheidung war, was passieren kann, selbstkritisch reflektieren, um daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Scheitern ist für mich deshalb nicht einfach ein Zeichen von Schwäche, sondern auch eine Einladung zur Reife.
Wie baust du als christlicher Unternehmer durch deine Arbeit Reich Gottes?
Es gibt viele Möglichkeiten, Reich Gottes zu bauen – sei es in der Art und Weise, wie ich mit meinen Mitarbeitenden, Partnern, Lieferanten und Kunden umgehe, welchen Nutzen ich im Markt anbiete oder wie ich meine Ressourcen einsetze. Mich fasziniert auch, wie sich das Thema Bauen wie ein roter Faden durch die Bibel zieht. Im ersten Buch Mose ist nicht nur detailliert beschrieben, wie gross die Arche Noah war, sondern auch, wie sie genau gebaut werden sollte. Später kann man im Alten Testament sehr ausführlich nachlesen, wie die Stiftshütte gebaut wurde – mit präzisen Angaben zu Materialien, Farbgebung und Gestaltung. Aber auch im Neuen Testament hat das Bauen einen festen Platz. Jesus wuchs in einem Handwerkerhaushalt und war selbst Handwerker. Er verwendete immer wieder Gleichnisse, die mit Bauen oder Infrastruktur zu tun hatten. Ich schliesse daraus, dass Bauen Gott wichtig war und ist. Wir Menschen brauchen Häuser, in denen wir leben und arbeiten. Ich sehe meinen Dienst im Bau des Reiches Gottes darin, Bauprojekte für Menschen zu entwickeln und zu realisieren, in denen sie leben können, Kranke geheilt werden oder Ausbildung ermöglicht wird.
Wer hat dich geistlich und beruflich am meisten geprägt – und warum?
Es gibt keine einzelne Person, bei der ich sagen könnte, dass sie mich geistlich am meisten geprägt hat. Es sind mehrere Menschen, die zur richtigen Zeit da waren und mich auf meinem Lebensweg begleitet haben. Auch Begegnungen, Bücher, die ich gelesen habe, sowie Ausbildungen, die ich absolvieren durfte, haben zu meiner geistlichen Prägung beigetragen.
Was das Berufliche anbelangt, hat Gott immer wieder Menschen geschickt, von denen ich viel lernen durfte und die mich geprägt haben. Ich glaube, dass Gott uns durch ganz unterschiedliche Menschen formt – manchmal durch Vorbilder und manchmal auch durch Menschen, die uns herausfordern. Darüber hinaus habe ich von Gott die Gabe erhalten, mich sehr schnell in neue Themengebiete hineindenken und anpassen zu können.
Wie verstehst du deine Berufung im Kontext deiner Arbeit?
Seit längerem spüre ich den Wunsch, meine langjährigen Erfahrungen als Projektentwickler und Bauherrenvertreter für Non-Profit-Organisationen (NPO) einzubringen – auch ausserhalb der Schweiz. Gerade hier sehe ich einen grossen Bedarf. Vielen NPOs fehlt es an Know-how, Zeit sowie personellen und finanziellen Ressourcen, um Projekte in der geforderten Qualität umzusetzen. Das führt oftmals bei den Nutzern, Betreibern und schlussendlich auch bei den Spendern zu Enttäuschung und Frust. Berufung bedeutet für mich nicht, einen perfekten Plan zu haben, sondern dem nächsten Schritt zu folgen, den Gott zeigt. Ich möchte im Vertrauen vorwärtsgehen und Gott die weiteren Schritte überlassen. Ich bin gespannt, ob und wenn ja, welche Türen Gott mir hier noch öffnet.
Was tust du aktiv, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen?
Vor vielen Jahren habe ich ein Buch von Lawrence Crabb mit dem Titel «Von innen nach aussen: Veränderung ist möglich» gelesen. Wenn ich mich selbst verändere, trage ich dazu bei, dass die Welt zu einem besseren Ort wird. Das hat Auswirkungen auf mein engstes Umfeld und darüber hinaus. Letztlich beginnt Weltveränderung im Herzen – bei mir selbst. Jesus sagte nicht einfach: «Verändert die Systeme», sondern: «Folgt mir nach». Wer Jesus nachfolgt, verändert auch sein Umfeld – durch Liebe, Integrität und dienende Haltung.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.
Datum: 27.06.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet