Nachgefragt

Ein geschützter Rahmen öffnet Türen

Thomas Müller schöpft seine Hoffnung aus dem christlichen Glauben.
Vielfältige Anschlussperspektiven und individuelle Begleitung: Die «Steinhölzli Bildungswege» eröffnen jungen Menschen mit besonderen Herausforderungen neue Chancen. Leiter Thomas Müller setzt dabei auf Wertschätzung und Hoffnung.

Die Zahlen sprechen für das «Steinhölzli»: Weniger als 10 Prozent der Lernenden brechen ihre Ausbildung ab, während der Schweizer Durchschnitt bei rund 20 Prozent liegt. Nahezu alle Absolventinnen und Absolventen finden im Anschluss eine passende Perspektive, auch wenn diese nicht zwingend im ersten Arbeitsmarkt liegt. Eine eigene Fachstelle für berufliche Integration begleitet sie dabei und unterstützt sie bei Praktika, der Suche nach einer Stelle sowie beim Übergang ins Berufsleben.

«Wir sehen den Menschen unabhängig von seiner Diagnose und begegnen ihm mit Wertschätzung auf Augenhöhe», so Leiter Thomas Müller. In der Praxis bedeutet dies, möglichst jedem Menschen eine Gelegenheit zu geben, persönliche Fortschritte im Alltag sichtbar zu machen und Zuversicht zu entwickeln.

Die Institution in Köniz, die im vergangenen Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum begangen hat, schafft dafür einen geeigneten Rahmen.

Kraftquelle in schwierigen Zeiten

«Bei uns müssen ein Autist, der eine klare Struktur braucht, eine Verhaltensoriginelle, die möglichst frei sein will, und der psychisch Herausgeforderte, der seine Bedürfnisse zurückstellen muss, zusammenarbeiten», bilanziert Thomas Müller.

Eine tragende Rolle spielt dabei die Hoffnung. Er selbst schöpft diese aus dem christlichen Glauben. «Vor bald einem Jahr erhielt ich eine Krebsdiagnose. Da hätte ich die Hoffnung verlieren können, aber das Gegenteil ist passiert. Die Situation hat mich dankbar gestimmt für mein Leben. Obwohl die Schmerzen und starken Nebenwirkungen der Therapie herausfordernd sind, erlebe ich meinen Glauben als Boden, der trägt, mir Frieden schenkt und aus dem Hoffnung erwächst.»

Neue Perspektiven eröffnen

Für Thomas Müller gibt es kaum etwas Motivierenderes, als solche Fortschritte bei jungen Menschen zu beobachten. «Unser Ziel ist, dass unsere Abgängerinnen und Abgänger ein selbstbestimmtes Leben führen und wenn möglich im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen können.»

Im Laufe der Zeit erlebte Thomas Müller zahlreiche Erfolgserlebnisse. Wie zum Beispiel ein junger Mann mit Autismus. Als er seine zweijährige praktische Ausbildung begann, sprach er kaum. Bis zum Abschluss hatte er sich zu einem offenen und kommunikativen Menschen entwickelt. Später lieferte er einen Abschluss mit Berufsattest und erreichte sogar das eidgenössische Fähigkeitszeugnis, den höchsten regulären Berufsbildungsabschluss. Thomas Müller: «Im Unterschied zum ersten Arbeitsmarkt erhalten Menschen mit entsprechendem Bedarf bei uns in ihrer Erstausbildung mehr Zeit, Struktur und individuelle Begleitung.» Und weiter hält er fest: «Der geschützte Rahmen, den wir bieten, lohnt sich auf lange Sicht und bedeutet nicht, dass es bei uns keinen Druck gibt. Wer in der Küche arbeitet, kann sich nicht von einem persönlichen Problem vereinnahmen lassen, wenn die Kundschaft um 12 Uhr das Mittagessen auf dem Tisch haben möchte.»

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine gekürzte Version. Das vollständige Porträt über Thomas Müller ist bei Hope Schweiz und in den Berner-Ausgaben der Hope-Zeitungen erschienen.

Datum: 17.10.2026
Autor: Daniela Baumann / Daniel Gerber
Quelle: Hope Schweiz / Livenet

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