Livenet-Talk

Aufhören: Mut zum nächsten Schritt

Ueli Haldimann im Livenet-Talk
Zehn Jahre war Ueli Haldemann mit Gospel-Chören unterwegs, später organisierte er Grossanlässe wie den Christustag. Nun schreibt er über das Aufhören und darüber, weshalb es manchmal Mut braucht, ein Werk loszulassen, damit es weiterwachsen kann.

Ueli Haldemann hat ein Buch über das Aufhören verfasst. «Es ist ein Thema, das mich eigentlich schon sehr lange beschäftigt, weil ich selber in meinem Leben auch viele Male loslassen musste», sagt der vielfältige Pionier im Talk mit Livenet-Chefredaktor Florian Wüthrich.

Der Anstoss erfolgte, als er vor rund einem Jahr einen Artikel zum «Tabuthema Aufhören» von Professor Volker Gäckle las. Das sprach Ueli Haldemann aus dem Herzen. «Ich habe einen Leserbrief geschrieben und dachte mir: ‘Da muss man unbedingt noch mehr schreiben.’ Ich habe dann mit ihm Kontakt aufgenommen.» Volker Gäckle ermutigte ihn, am Thema dranzubleiben. Mittlerweile ist das Werk beim Verlag eingereicht.

Einst inspiriert …

Als Strategieberater für Gemeinden stellte Ueli Haldemann fest: «Ich habe einfach gemerkt, dass viele Gemeinden oder Werke sehr inspirierend begonnen haben. Meistens geht eine grosse Gottesbegegnung voraus, wo man wirklich den Herrn auf eine dramatische Art und Weise erlebt und eine Berufung bekommt und vorangeht.»

Aber wie in einem normalen Lebenszyklus folgen Routine und Alltag und man entwickelt sich mehr zum Verwalter von etwas. «Und wenn das Werk älter wird, ist die Gefahr gross, dass man in eine Routine reinkommt. Das Feuer, dass es braucht, damit eine Organisation weiterbestehen kann, wird mehr und mehr geschmälert.»

Zehn Jahre mit Gospel-Chören unterwegs

Ueli Haldemann verfasste bereits das Buch «Einfach Wow». Darin schaute er zurück, wie er sich in jungen Jahren schon Gottes Führung anvertraute und vieles erlebte. «Es hat lange gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass ich eigentlich wirklich eher ein Pionier bin, der gerne etwas anreisst, der mehr projektmässig arbeitet. Ich habe schon nach meiner theologischen Ausbildung mit der Musik ‘Gospel News’, mit der Musikarbeit angefangen.»

Das war damals revolutionär und unbekannt, dass evangelistische Konzerte abgehalten wurden. «Wir waren immer so 27 Sänger und sechs bis sieben Musiker, die in Deutschland, Schweiz und Österreich auf Tournee waren. Das habe ich zehn Jahre lang berufsmässig gemacht.» Es begann mit einem Chor, mit der Zeit war Ueli Haldemann mit drei, vier Gruppen pro Jahr unterwegs.

Feuer geht (nicht) verloren

Das wurde zu einer grossen Arbeit. «Aber ich merkte trotzdem, wie mit der Zeit bei mir das Feuer verloren ging und die Routine kam. Ich merkte, wenn ich wollte, dass die Arbeit weitergeht, muss ich aussteigen, damit sie mit dem nötigen Zunder weitergeführt werden kann.»

Ein junger, dynamischer Mitarbeiter führt das Werk weiter. Gospel News blieb 20 weitere Jahre erfolgreich.

Pionierarbeit leistete Ueli Haldemann im Eventmanagement mit dem Christustag und dem Nationalen Gebetstag. Nach seinem Ausstieg bei Gospel News erfolgte gleich eine Anfrage vom damaligen Präsidenten der Evangelischen Allianz, Kurt Spiess. «Sie suchen unbedingt einen Koordinator, der hilft, den Christustag 1991 vorzubereiten. Wir hatten ein starkes Team und haben den Christustag im Wankdorfstadion, das erste Mal in einem grossen Stadion, 1991 organisiert, zur 700-Jahre-Feier der Schweiz.» Das Projekt belief sich auf eineinhalb Jahre.

Loslassen kann schwer sein

Er habe Verständnis dafür, dass das Loslassen schwierig sein kann. «Weil das Reich Gottes kontinuierlich weitergeht. Es soll wachsen, es soll sich ausbreiten. Das ist auch ein sensibles Thema. Man hat die Berufung und die Vision von Gott bekommen. Man hat eine klare Führung in einer Organisation erlebt. Das ist ein heiliger Moment. Und dann kommt ein Zeitpunkt, wo man diesen Moment loslassen muss.»

Gleichzeitig vergleicht Ueli Haldemann das mit dem natürlichen Leben. «Wenn man älter wird und nicht mehr gleich mag, weil man auf die Pension zugeht wie ein 50-Jähriger, dann sagt man auch nicht: ‘Ich habe versagt, weil ich nicht mehr gleich mag.’ Dann akzeptiert man es mehr. Aber in einem Gemeindesetting oder in einem Werksetting akzeptiert man das Älterwerden nicht mehr, weil es das fast nicht geben darf.»

Nicht menschlich agieren

Im Gespräch mit einer Leiterin aus Brasilien und einem Leiter aus Uganda sprach Ueli Haldemann über das Thema, wie neue Dinge angefangen werden können. Der Leiter aus Uganda sagte: «Ueli, weisst du, wenn wir in Uganda etwas Neues anfangen wollen, haben wir absolut keine Ressourcen, wir haben nichts. Wir müssen wirklich einen Schritt aufs Wasser wagen und Gott vertrauen, dass er uns das Nötige gibt, dass wir das umsetzen können. Aber bei euch in der Schweiz ist es oft so, dass wenn ihr die Finanzen zum grössten Teil beieinander habt, dann wagt ihr einen Schritt im Glauben...»

Das habe ihn sehr beschämt. «Wir sichern oft vieles bis zum Gehtnichtmehr fast ab, bevor wir etwas addieren. Ich meine nicht, dass man nicht unüberlegt etwas zusätzliches einbauen soll. Das ist auch ein grosses Spannungsfeld auf das ich im Buch eingegangen bin.»

Zum Talk mit Ueli Haldemann: 

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.

Datum: 13.10.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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