Leiterschaft im Alltag

Unsichtbare Leiterschaft

Oft vergessen wir, dass Leiterschaft nicht am Arbeitsplatz, sondern bei unseren Familien beginnt.
Leiterschaft bedeutet so viel mehr, als uns die Stereotypen vorgeben… nur wird es meist nicht als solche wahrgenommen. Rebekka Schmidt, Redaktionsleiterin von livenet.ch, macht sich Gedanken darüber, was das für ihren Alltag bedeutet.

Führungskräfte, Leadership, bei diesen Worten denken viele direkt an Unternehmerinnen oder erfolgreiche Geschäftsmänner. Doch Leiterschaft geht so viel weiter: Wer Verantwortung für andere übernimmt, sie in gewisser Weise prägt, vielleicht beratend zur Seite steht und den Weg mit ihnen geht, ist im praktischen Sinn des Wortes eine «Führungskraft». Sei das ein Angestellter, der einen Freund in einer gewissen Lebensphase durch persönliche Jüngerschaft begleitet; die Mutter, die ihre Kinder mit ihren Werten erzieht; der Lehrer, der seine Schüler auf den «Ernst des Lebens» vorbereiten möchte; oder die ältere Dame, die seit Jahrzehnten in der Sonntagsschule die Fragen von Kindern und Jugendlichen beantwortet.

Unscheinbar und doch unentbehrlich

Leiterschaft im Alltag, darum soll es in dieser neuen Serie gehen. Ganz persönlich, ganz «normal» und doch enorm wichtig. Denn wenn diese «unsichtbaren», oft übersehenen Führungskräfte ihrem Ruf nicht folgen würden, wären viele Menschen – ob klein oder gross – vielleicht orientierungslos unterwegs, eben weil ihnen niemand in den konkreten Situationen Führung und Rat geben kann.

Und obwohl es so unscheinbar ist, ist es am Ende umso wichtiger: Denn was prägt einen Menschen mehr als das tägliche Zusammenleben? Oder ein wöchentlicher Austausch? Was prägt mehr als die Worte eines Freundes, der in meiner verzweifelten Lage einen guten Rat gibt?

Führung bedeutet, ansprechbar zu bleiben

Hier wird deutlich, wie gross die Verantwortung ist, wenn ich so eine Art der Leiterschaft übernehme: Was gebe ich weiter? Wie präge ich? Welchen Rat gebe ich? Und noch etwas, wie es Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-Reformierten Kirche der Schweiz, in ihrem Buch «Leadership: Weibliche Perspektiven» erklärt: Gute Führung muss ansprechbar sein! Das heisst, selbst in meinem vollen Kalender, inmitten des Jonglierens unserer vielen, so wichtigen Lebensbereiche, muss ich ansprechbar bleiben für diejenigen, die ich führe oder führen will.

Ansprechbar sein bedeutet für mich persönlich, dem anderen meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn meine Tochter mir ihren Schulalltag nicht in zwei Sätzen, sondern in zehn Minuten zusammenfassen möchte, während ich noch eine wichtige E-Mail vor 17 Uhr verschickt haben muss. Bin ich ansprechbar für sie? Schenke ich ihr meine volle Aufmerksamkeit, indem ich sie nicht nur anschaue und dabei in Gedanken die E-Mail zu Ende formuliere, sondern wirklich ihre Worte aufnehme und verstehe?

Rita Famos spricht auch davon, dass gute Führung Vision braucht. Sie holt die Menschen dort ab, wo sie sind, und nimmt sie an der Hand. Verlangsamt den Schritt, wenn der andere nicht hinterherkommt. Und geht erklärend mit ihm noch vorne, immer der Vision folgend.

Ein grosses Privileg

Führung im Alltag zu leben, ist ebenso wichtig, wie an der Spitze eines Multimilliarden-Unternehmens. Klar, es geht nicht um einen Millionenverdienst – doch wie hat es Jesus selbst so treffend formuliert? «Was hat ein Mensch denn davon, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er selbst dabei aber seine Seele verliert? Er kann sie ja nicht wieder zurückkaufen!» (Matthäus 16,26 HFA)

Das Leben eines Menschen ist so viel mehr wert – und wenn wir das Privileg bekommen, die Person auf dem Glaubens- und Lebensweg begleiten und beraten zu dürfen, dann sehen wir es doch als solches an: als ein Privileg und eine Verantwortung, die wir damit tragen.

Zur Autorin: Rebekka Schmidt schreibt schon 15 Jahre lang für Livenet und ist seit Juni 2026 Redaktionsleiterin von livenet.ch. Besonders gerne schaut sie über den Tellerrand und berichtet, was Gott in den unterschiedlichsten Ecken der Erde Grosses tut. Aber auch die verfolgten Christen liegen ihr sehr am Herzen. Zusammen mit ihrem Mann José Luis und ihren zwei Töchtern lebt sie in Süddeutschland. 

Datum: 02.10.2026
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet

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