Leiter-Inspiration

Dienende Leiterschaft: Was biblische Leiter gemeinsam haben

Gott möchte im Leben der Leitenden die Nummer eins sein.
In der Bibel wird immer wieder beschrieben, wie Gott die Menschen aus dem Reich der Dunkelheit in das Reich des Lichts bringt. Sie begegnen Gott, der sie verändert. Dazu gehört auch, dass sie mit den Tiefen ihrer Seele konfrontiert werden.

In den vergangenen Wochen haben wir das Leben von Mose, Josef, David, Esther und Paulus betrachtet. Gott liebt, beruft und befähigt. Gerade da, wo die Frauen und Männer schwach waren, begegnete ihnen Gott. Nicht einen Moment liess er sie allein. Sein Anliegen war es, in dem Leben der Leitenden die Nummer eins zu sein und nicht nur eine Nebenrolle zu spielen. In den Krisen, die diese Leitenden erlebten, fanden sie heraus, wie sie wirklich tickten und was und wer ihr Fundament war.

Wenn jemand seiner eigenen Persönlichkeit immer mehr auf die Spur kommt und sich der persönliche Glaube neu aufbaut, wird das heute oft als «Dekonstruktion des Glaubens» bezeichnet. Die Dekonstruktion kann für Leitende sehr schmerzhaft sein, denn zuerst einmal steht alles infrage. Nicht nur der Glauben an sich, sondern auch, wer wir als Person oder als Gemeinschaft sind, also unsere Identität, unsere Werte und unsere Bestimmung.

Wie können wir überleben, wenn wir nichts haben, was uns leitet? Auf der Suche nach Authentizität und dem Bekenntnis zur Wahrheit müssen wir ein Stück weit solch eine Dekonstruktion erleben, um dann unseren Glauben von Gott neu aufbauen zu lassen. Wie Pastor Billy Kennedy, Leiter von Pioneers UK, schreibt, ist «dies ein Bestandteil unserer Reise. Wenn wir das Gefühl haben, uns alle alten Kleider vom Leib zu reissen und alte Zöpfe abzuschneiden, dann kann das sehr schmerzen. Wir müssen durch solche Phasen hindurchgehen und merken, wo das Fundament des Glaubens uns trägt und wo nicht.»

Gemeinsamkeiten der biblischen Leiter

Durch solche Dekonstruktionen sind auch die Leitenden, die in der Bibel beschrieben werden, gegangen. Ihre Beziehung zu Gott hat durch Schmerzen und Krisen eine neue und tiefere Dimension erhalten. Hier sind einige Gemeinsamkeiten, die ich zusammenfassend erkennen kann:

1. Die Leitenden haben bis zu ihrem Lebensende eine persönliche und lebendige Beziehung zu Gott. Von einigen biblischen Personen wissen wir das wörtlich, weil die Bibel es benennt: Mose, Josef und Paulus gehören dazu, aber auch Menschen wie Daniel und Josua erhielten bis zu ihrem Lebensende eine Beziehung zu Gott aufrecht, um nur einige wenige herauszugreifen. Selbst in schwierigen Situationen wie bei Mose, der das verheissene Land nur sehen konnte und nicht selbst hineingehen durfte, oder wie bei Daniel, der mit seinen Freunden in der Löwengrube landete, verliessen sie sich auf Gott und sein Wort.

2. Die Leitenden behalten eine lernende Haltung. Leitende bilden sich ein Leben lang fort im Wort Gottes und durch andere geistliche Literatur, Predigten und so weiter. Daniel ist hier ein klassisches Beispiel aus dem Alten Testament, der sein Leben lang das Wort Gottes studierte. Auch Paulus und Petrus im Neuen Testament hatten eine lernende Haltung. Paulus bat um seine Bücher, als er im Gefängnis sass (2. Timotheus 4,13). Beim Scheitern zeigen sie sich einsichtig und tun Busse vor Gott. Was er von ihnen hält, ist ihnen nicht egal. Im Philipperbrief setzt Paulus den Weg Christi als Massstab für das Leben der Christen (Philipper 2).

3. Die Leitenden offenbaren eine Christusähnlichkeit in ihrem Charakter. Sie bewahrheitete sich in der Frucht des Geistes in ihrem Leben. Nach Galater 5,22-23 zeigt sie sich in Form von Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Den alttestamentlichen Leitenden war Jesus als Mensch zwar noch nicht begegnet, aber ihre Gottesbeziehung und ihr Charakter wiesen diese nachhaltige, für die Ewigkeit bestimmte Frucht auf. Ich denke hier zum Beispiel an Josef, der seinen Brüdern vergeben konnte, trotz allem, was sie ihm an Leid zugefügt hatten.

4. Die Leitenden hinterlassen ein Erbe. Mose war bereit, das Volk bis zum verheissenen Land zu führen, und sein Nachfolger Josua konnte dann übernehmen. Josef konnte in seiner Demut seine Familie und das ganze Land vor der Hungersnot retten. Mit «Erbe» ist also nicht nur ein finanzielles Erbe gemeint, sondern auch ein geistlicher Nachlass, eine solide Arbeit, eine Familie, die Gott liebt.

Fehlbarkeit und Schwachheit sind erlaubt

Was bedeutet also eine gute Leitung «nach dem Herzen Gottes»? Es bedeutet nicht, fehlerlos zu sein oder fehlerlos zu leiten. Sondern in aller Fehlbarkeit und Schwachheit mit Gott unterwegs zu sein, ihn immer wieder an die erste Stelle in unserem Leben zu setzen und aus seiner Kraft heraus ihn zu lieben und ihm nachzufolgen.

Wir können dieses Thema nicht abschliessen, ohne auf Jesus Christus einzugehen, die zentralste und wichtigste Person unseres Glaubens. Er ist nicht «nur» unser Erlöser, sondern er hat uns in seiner Menschwerdung gezeigt, was es heisst, ein guter und dienender Leitender zu sein und auf der Seite der Diskriminierten zu stehen. Durch alle Hindernisse hindurch blieb er treu bis zum Tod und bezwang ihn damit.

An seinem Beispiel sehen wir: Was auch immer – wirklich egal, was – uns auf unserem Weg als Leitende runterzuziehen, zu verwunden, aus der Bahn zu werfen droht, wir können aus allem siegreich hervorgehen. Denn seit Jesus ist alles anders. Er hat uns eine Schneise geschlagen, in der wir ihm nachfolgen können. Einen Weg, um mitten in Unsicherheit, Schmerz, innerer und äusserer Not in völligem Frieden zu bleiben. «Bleibt in mir», fordert er uns, seine Nachfolger und Nachfolgerinnen, auf. Tun wir das, dann werden wir bei den Schmerzen, die wir als Leitende erleben, immer einen sicheren Ort haben.

Nächste Woche werden wir das Beispiel von Jesus noch genauer betrachten.

Hier geht es zu den vorherigen Teilen des Buches.

Zur Autorin: Evi Rodemann (Jg. 1971) lebt im Grossraum Hamburg und arbeitet als Theologin und Eventmanagerin. Sie engagiert sich in der internationalen Arbeit der Lausanner Bewegung und der «WEA Mission Commission» sowie in ihrem gegründeten Verein «LeadNow». Ihr Schwerpunkt ist die junge Leitergeneration. Ihr Buch erschien zum Thema «Scheitern erwünscht – warum uns Krisen als Leitende wachsen lassen».

Zum Buch:
Scheitern erwünscht!

Datum: 02.09.2026
Autor: Evi Rodemann
Quelle: Scheitern erwünscht

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