Nachgefragt

«Ehrlichkeit und Wahrheit sind mir sehr wichtig»

Dorothee Schwertfeger würde ihrem Leben den Titel «Bleib tapfer, Dorothee» geben.
Dorothee Schwertfeger (45) leitet zusammen mit ihrem Bruder einen Handwerksbetrieb mit 30 Angestellten, der sich auf Einbaumöbel spezialisiert hat. Im Interview erzählt die studierte Betriebswirtin, wie ihr Glaube auch ihre Arbeit prägt.

Die Unternehmerin arbeitet im thüringischen Eisenach und wohnt ganz in der Nähe. 1999 begann sie im Familienunternehmen ein duales BWL-Studium, später kam noch Soziale Arbeit dazu. Nach mehreren Stationen ausserhalb übernahm sie 2016 zusammen mit ihrem Bruder die Firmenleitung. Daneben engagierte sie sich in der Kommunalpolitik und im Vorstand des Handball-Bundesligisten THSV Eisenach. Gerade in ihrem eher atheistisch geprägten Umfeld ist es ihr wichtig, ihr Christsein auch im Beruf zu leben. Mit Dorothee Schwertfeger sprach Hauke Burgarth.

Frau Schwertfeger, wie hat Ihr persönlicher Glaube Ihren Führungsstil geprägt?
Dorothee Schwertfeger: Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und war von Anfang an in einer evangelisch-methodistischen Kirchgemeinde in Eisenach zu Hause. Ich habe also einen christlichen Wertekompass mitbekommen – mit all diesen Werten wie Ehrlichkeit, Menschlichkeit und dass alle Menschen gleich sind. Nach dem kindlichen Glauben entwickelte sich mein eigener, aktiver Glaube, der sich auch in Lebenskrisen bewährt hat. Der hat sich natürlich auf meinen Führungsstil ausgewirkt. Er ist allerdings nicht fix, sondern ich sehe ihn in einem ständigen Prozess. Die jüngere Generation, die ins Berufsleben einsteigt, hat sich verändert; durch die Pandemie ist vieles anders geworden. Alles unterliegt einer stetigen Veränderung. Also muss ich auch als Führungsperson meine eigenen Charaktereigenschaften immer wieder hinterfragen, an mir arbeiten und mit anderen im Dialog bleiben.

Welche biblischen Prinzipien leiten Sie am stärksten in Ihrer Arbeit?
Das ist zum einen die Liebe zu Gott, woraus sich auch die Liebe zu den Menschen um mich herum ableitet. Dass ich also meine Kollegen wertschätzend behandle, auf Augenhöhe und immer im menschlichen Miteinander. Und daran schliesst sich das an, was mir sehr wertvoll ist: Ehrlichkeit und Wahrheit. Für mich bedeutet das, dass ich möglichst offen kommuniziere, viel erkläre, Hintergründe zeige, mein Team inhaltlich mitnehme in meine Entscheidungen und, wenn ich einmal überreagiert oder mich falsch verhalten habe, das klarstelle und vielleicht meine Emotionen dazu erkläre. Diese Offenheit wünsche ich mir auch im Umgang mit meinen Kunden und Geschäftspartnern. Wenn hier etwas nicht funktioniert, dann sollen sie keine «Märchen» erzählen, sondern sagen: «Die Lieferung kommt später, weil jemand krank war.» Dieses Gesamtthema Ehrlichkeit und Wahrheit ist mir sehr wichtig. Weil ich da sehr korrekt bin, hat mein Wertekompass auch schon zu Reibereien geführt. Ich merke es recht schnell, wenn Menschen unehrlich mit mir umgehen oder im Geschäftsbereich ihre Spielchen treiben. Früher habe ich das fast immer angesprochen, aber das hat enorm viel Energie gekostet. Inzwischen weiss ich: Ich muss nicht alles ausdiskutieren, nicht alles liegt in meiner Verantwortung.

Wie verstehen Sie Ihre Berufung im Kontext der Arbeit?
Interessante Frage. Darüber habe ich mir noch kaum Gedanken gemacht, weil ich in unser Familienunternehmen einfach hineingewachsen bin. Nach meiner Schulzeit hatte in Eisenach gerade die Duale Hochschule eröffnet, die auch betriebswirtschaftliche Studiengänge anbot. Irgendwie bin ich dann hiergeblieben, weil ich mit der Region und der Firma so verbunden bin. Im Rückblick sehe ich vieles davon als Führung an, wahrscheinlich hat auch meine Mutter dafür gebetet. Und jetzt als Firmenchefin verstehe ich meine Berufung weniger darin, aktiv missionarisch zu sein, sondern ich muss dafür sorgen, dass alle pünktlich ihr Gehalt bekommen. Ich versuche auch, die Bedürfnisse darüber hinaus wahrzunehmen und habe auch mal ein Ohr für private Sorgen bei meinen Mitarbeitern. Über den Glauben spreche ich dann, wenn eine Vertrauensbasis da ist. Eine gute Unterstützung habe ich durch mein Engagement bei «Faktor C», einer Initiative von Christen in der Wirtschaft. Hier finde ich Gegenüber, Orientierung und Gesprächspartner – in der Thüringer Regionalgruppe und darüber hinaus. Ich geniesse es sehr, im Faktor C-Vorstand mit erfahrenen Christen aus dem Business in Kontakt zu sein.

Was raten Sie jungen Leuten, die als Christen Führungsverantwortung übernehmen wollen?
Mit Gottes Hilfe ist das gut möglich, und es ist eine Riesenchance, Mitarbeiter verantwortungsvoll mit christlichen Werten zu führen.

Eine letzte Frage: Wenn Sie ein Buch über Ihr Leben schreiben würden, wie würden Sie es nennen? Und was wären die Kapitel darin?
Die Kapitel in meinem Buch wären: «Behütete Kindheit im christlichen Umfeld», dann «Studienzeit mit zwischenmenschlichen Herausforderungen», «Ausschwärmzeit und Beschäftigung mit Lebensfragen wie: Wo finde ich einen christlichen Ehemann?», «Lebenskrise und Neusortierung mit 30», «Die neue, emanzipierte Dorothee» und schliesslich «Ehehafen und Stabilität in den Vierzigern». Das ganze Buch hiesse «Bleib tapfer, Dorothee». Den Titel gibt es tatsächlich, und nach diesem Kinderbuch bin ich benannt. Ich finde es passend, weil das Leben Herausforderungen hat, denen ich immer wieder tapfer begegnen kann.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schwertfeger.

Zum Autor: Hauke Burgarth (*1964) ist gebürtiger Hamburger und lebt in Pohlheim bei Giessen. Hauke arbeitet freiberuflich als Lektor, Autor und Journalist. Daneben engagiert er sich in Teilzeit, aber mit ganzem Herzen, als Pastor der Christusgemeinde in Lich. 

Datum: 29.08.2026
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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