Dienende Leiterschaft: Paulus –transformiert durch Gottes Gnade
Saulus hatte sich die gängige Überzeugung der religiösen Elite in Jerusalem zu eigen gemacht, dass Jesus zu Recht als Gotteslästerer gekreuzigt worden war (Apostelgeschichte 9). Er war ein wichtiger, gut ausgebildeter Gelehrter und sah die Jünger von diesem Jesus als Feinde des Judentums und damit auch des höchsten Gottes an. Er verachtete Jesus und seine Nachfolger. Mit grosser Begeisterung erlebte er die Steinigung von Stephanus mit. Sein Ziel war es, die Jünger von Jesus komplett auszurotten, ähnlich wie die Juden im babylonischen Reich getötet werden sollten. Er verstand das als seine Berufung. Mit einer ungewöhnlichen Grausamkeit und einem unglaublichen Fanatismus verfolgte er sie, um sie und ihren Glauben an Jesus zu zerstören. Da er eine starke Leitungspersönlichkeit war, zog er viele Menschen auf seine Seite. Gott kannte Saulus auch jetzt schon, und trotzdem fiel seine Wahl auf ihn: Er sollte später als unerschrockener Heidenmissionar die Geschichte der Gemeinde entscheidend in Bewegung bringen.
Verändert
Eines Tages, auf dem Weg nach Damaskus, begegnete der auferstandene Jesus Saulus. Das war die Transformation. Nach dieser ganz persönlichen Jesus-Begegnung erblindete er zeitweilig und wurde zu einem Mann namens Ananias in die Stadt Damaskus geführt. Der fürchtete sich sehr vor Saulus. Gott aber sprach zu ihm: «Geh und tu, was ich sage. Saulus ist mein auserwähltes Werkzeug. Er soll meine Botschaft den Völkern und Königen bringen und auch dem Volk Israel» (Apostelgeschichte 9,15-16).
Nach diesem lebensverändernden Ereignis verbreitete Saulus, der ab sofort Paulus genannt wurde, mit grosser Leidenschaft die Gute Nachricht von Jesus. Er reiste von Stadt zu Stadt, um das Evangelium zu predigen. Er hatte die verändernde Gnade Gottes erlebt und konnte nicht anders, als sie jetzt radikal mit den Menschen zu teilen. Auch hier kam seine Leitungspersönlichkeit zum Tragen und er gewann Kollegen und neue Nachfolger dazu.
Bereit zu leiden
Als sein Empfehlungsschreiben von den Korinthern angezweifelt wurde, erinnerte er sie daran, dass seine Autorität in Gottes Beauftragung lag und an seiner Bereitschaft, für diese Berufung zu leiden. Wie Paulus gelitten hat, zählt er auf in 2. Korinther 11,23- 28: Er erlitt Schiffbruch, wurde ausgepeitscht, litt unter Schlaflosigkeit und so weiter. Im gleichen Brief erzählt er aber auch von einer anderen Art von Schmerz, dem «Dorn im Fleisch». Gott hat zugelassen, dass dieser Dorn sich fest in seinem Leben verankerte, auch wenn wir nicht wissen, was genau er bedeutet. In diesem Zusammenhang sprach Gott ihm zu, dass seine Gnade ihm genügen solle. Daraufhin schrieb Paulus: «Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.» 2. Korinther 12,9-10; LUT
Paulus als einer der prominentesten geistlichen Leitenden in der Bibel war sich darüber im Klaren, dass Gott Schmerzen benutzen würde, um den Charakter eines Menschen zu formen, und dass eine Plattform für den geistlichen Dienst entstehen konnte. Paulus erlebte das am eigenen Leib.
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Zur Autorin: Evi Rodemann (Jg. 1971) lebt im Grossraum Hamburg und arbeitet als Theologin und Eventmanagerin. Sie engagiert sich in der internationalen Arbeit der Lausanner Bewegung und der «WEA Mission Commission» sowie in ihrem gegründeten Verein «LeadNow». Ihr Schwerpunkt ist die junge Leitergeneration. Ihr Buch erschien zum Thema «Scheitern erwünscht – warum uns Krisen als Leitende wachsen lassen».
Zum Buch:
Scheitern erwünscht!
Datum: 26.08.2026
Autor:
Evi Rodemann
Quelle:
Scheitern erwünscht