Nachgefragt

Mutig handeln statt Talente vergraben

Dario Näpfer nimt Gott überall mit und redet mit ihm über sein Berufsleben.
Dario Näpfer versteht Unternehmertum als Auftrag Gottes: Fähigkeiten und Möglichkeiten sollen nicht vergraben, sondern mutig eingesetzt werden. Ausserdem geht es ihm mit seiner IT-Firma «Customer Flows» auch um das Dienen und nicht nur das Verdienen.

2025 gründete Dario Näpfer die Firma «Customer Flows» mit Sitz in Dübendorf. Der IT-Unternehmer dient Menschen mit Bytes und Codes … und er baut mit ihnen Reich Gottes. «Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten hat meinen Weg stark geprägt», erklärt Dario Näpfer im Gespräch mit Livenet-Redaktor Daniel Gerber. Näpfer sieht seine Arbeit als Teil seiner Berufung. Sein Glaube gibt ihm Werte und eine Vision für sein unternehmerisches Wirken – von Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit bis hin zur Verantwortung gegenüber anderen Menschen und der Schöpfung.

Dario Näpfer, gibt es eine Allegorie, die dir im Hinblick auf deine Arbeit in den Sinn kommt?
Dario Näpfer:
Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten hat meinen Weg stark geprägt. Ein Mann gab seinen Verwaltern etwas Wertvolles in die Hände und schaute, ob sie etwas Gutes daraus machen würden. Das Schöne daran ist, dass der Mann, als er zurückkam, nicht beurteilte, wie viel sie aus dem Anvertrauten gemacht hatten, sondern alle die lobte, die gehandelt und ihre Talente nicht einfach vergraben hatten. Das ermutigt mich, voranzugehen und etwas anzupacken. Wenn wir unsere Talente – also, bildlich gesprochen unsere zwei Fische und fünf Brote – bringen, kann Gott etwas Grosses daraus machen. Passend dazu wird in Psalm 1 ein Baum beschrieben, der nahe am Wasserplatz wächst. Er wird zu seiner Zeit gute Früchte tragen. Das ist auch uns verheissen, wenn wir Gott mit dem, was wir haben, dienen, indem wir unsere Gaben und Talente einsetzen und mutig etwas daraus machen. Das hat mir Gott in letzter Zeit aufs Herz gelegt.

Dario Näpfer sieht seine Arbeit als Berufung.

Wie hat dein persönlicher Glaube deinen Führungsstil geprägt?
Mein Glaube ist in erster Linie richtungsweisend und gibt mir gute Werte und eine Vision für mein berufliches Wirken. Gott legt grossen Wert auf Arbeit. In der Bibel lese ich, welche Bedeutung er dem Schaffen gibt. Es geht darum, Werte wie Ehrlichkeit zu vertreten, zuverlässig zu sein und Menschen unabhängig von ihrem Hintergrund wertzuschätzen, auch wenn nicht alle gleich anständig sind. Der Glaube gibt mir eine starke Vision für meinen Beruf. Mir wurde eine Aufgabe anvertraut, ich habe einen Sinn und eine Verantwortung. Ich darf etwas daraus machen und verantwortungsvoll damit umgehen, sodass ich ein Segen für andere Menschen und für mich selbst sein kann. Ich bin mit Gott unterwegs und spreche mit ihm über mein Berufsleben. Wenn es einmal nicht gut ausgeht und ich vielleicht im «Züüg» bin, ist er auch da dabei. Ich nehme Gott überall mit und wünsche, dass meine Firma Gott ehrt und seinen Charakter repräsentiert.

Sehr interessant finde ich an der Schöpfungsgeschichte im Buch 1. Mose, dass Adam als Sinnbild für die Menschheit etwas anvertraut wurde. Er sollte die Schöpfung bebauen und bewahren – und durfte sogar alle Tiere benennen. Für mich ist das ein unternehmerischer Auftrag. Gott stellt uns in die Verantwortung und gibt uns die Möglichkeit, ein Segen zu sein. Dieser Schöpfungsauftrag kann für jeden ermutigend sein, ganz gleich, wo er sich befindet.

Wie triffst du schwierige Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Erfolg und biblischen Werten?
Erfolg und biblische Werte stehen häufig im Einklang und sind keine Gegensätze. Es kommt nämlich darauf an, wie man Erfolg definiert. Für mich bedeutet Erfolg, dass etwas gut wird und Früchte trägt. Wenn Erfolg jedoch so definiert wird, dass man immer das Maximum für sich selbst sucht, kann das im Missverhältnis zu biblischen Werten stehen. Wenn ich jedoch das Beste für alle will und meinem Kunden zeige, dass ich ihm helfen möchte, dann entspricht das biblischen Werten. Das Buch der Sprüche enthält viele praktische Weisheiten und bildet für mich die Grundlage für den Erfolg eines biblischen Unternehmens.

Ich versuche, nicht im Widerspruch zu biblischen Werten zu handeln. Wenn ein Geschäft nicht nach ethischen Grundsätzen oder nicht sinnvoll ist, behalte ich mir vor, keine Zusammenarbeit einzugehen. Gott sei Dank ist das noch nicht oft passiert. Manchmal muss man auch einen klaren Schlussstrich ziehen und einen neuen Weg gehen, wenn etwas nicht funktioniert. Da ist der wirtschaftliche Erfolg eben doch auch entscheidend. Ich hatte ein Projekt, das schön war und biblischen Werten entsprach, aber es kam nicht voran. Da musste ich dann entscheiden, dass ich es nicht weiterverfolgen kann, weil ich keine Zukunft darin sah.

Erzähle von einem persönlichen Scheitern; was hast du daraus gelernt? Und was können wir daraus lernen?
Ja, das habe ich erlebt – das gehört zum Leben dazu. Ich hatte ein Start-up-Projekt, bei dem ich lange dabei war und vieles ausprobiert habe. Dabei habe ich immer wieder Fehler gemacht und vieles ist mir nicht gelungen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es gescheitert ist und den gewünschten wirtschaftlichen Erfolg nicht bringen kann. Das war ein einschneidendes Erlebnis und zeigte mir, dass nicht alles, was man sich vorstellt und erhofft, funktioniert – sogar wenn man es mit Gott macht. In der Bibel steht ein schöner Spruch: «Der Mensch plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte.»

Doch auch wenn man in seinen eigenen Augen und denen anderer gescheitert ist, ist das nicht das Ende. Gott kann einen dann wieder aufbauen. Ich konnte aus diesem Erlebnis meine Lehren ziehen. Ich habe gelernt, dass Gott nicht mit mir gescheitert ist, sondern auch wieder einen neuen Weg bereithält. Das Schöne ist, dass Gott trotz unserer Entscheidungen zum Ziel kommt und uns trotz unseres Scheiterns gebrauchen kann.

Jeder Mensch steht in einem Vollzeit-Dienst. Wo ich bin, bin ich ein Botschafter für Christus.

Wie baust du als christlicher Unternehmer durch deine Arbeit Reich Gottes?
Mich fasziniert die ungewöhnliche Berufung von Paulus, der als Zeltmacher arbeitete, um Menschen zu dienen, und seine übrigen Ressourcen in andere Projekte steckte – zum Beispiel in geistliche Dienste, die oft nicht bezahlt waren. Das hat mich sehr ermutigt und mir gezeigt, wie ich mein eigenes Leben gestalten kann. Wenn man ein Unternehmen gründet, muss man nicht einfach nur den Gewinn maximieren. Ich darf etwas Gutes aufbauen, das mich freisetzt, sodass ich auch beliebig freiwillige Arbeit leisten und in der Kirche oder einem anderen Dienst tätig sein kann. Arbeit ist für mich etwas, das mir ermöglicht, auf verschiedene Arten Reich Gottes zu bauen. Es ist schön, dass ich auch gläubige Leute unterstützen und ihre Firmen, Dienste und Projekte voranbringen kann. Gleichzeitig kann ich, egal wo ich bin, ein Zeugnis und Licht sein. Ich bin überzeugt: Jeder Mensch steht in einem Vollzeit-Dienst. Wo ich bin, bin ich ein Botschafter für Christus. In der Bibel, in 2. Korinther 5, steht, dass wir das Reich Gottes repräsentieren.

Welche Entwicklung  sei es international oder ganz in deinem nahen Umfeld – beschäftigt dich im Moment?
Als Unternehmer in der IT-Branche beschäftigt mich die Entwicklung der künstlichen Intelligenz – im positiven wie im negativen Sinne. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, Arbeiten schneller und besser zu verrichten. So ist es möglich, ganze Lösungen, komplexe und automatisierte Systeme, zu übernehmen. Oder Dinge, die der Mensch vorher nicht tun konnte. Das fasziniert und inspiriert mich. Ich denke, dass der Mensch alles, was Gott ihm gibt, zum Guten nutzen kann. Wir dürfen es annehmen. Ein Ziel meiner unternehmerischen Tätigkeit ist es, beim grossen Umbruch in der Branche etwas Gutes zu bewirken. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Technologien wie KI zum Schlechten verwendet werden. Immer mehr Daten fliessen in KI-Systeme, die dadurch immer mächtiger werden. Sie können für Hackerangriffe und schädliche Systeme genutzt werden oder dazu, Dinge zu fälschen. KI hat also auch eine zerstörerische Kraft. Diese gesamte Entwicklung geht so schnell, dass der Mensch nicht schnell genug einen Rahmen schaffen kann, der regelt, wie KI einsetzbar ist und welche Regelungen dafür notwendig wären. KI wächst wie ein unzähmbarer Garten. Der Mensch sieht das Potenzial und die Schönheit und vergisst dabei, dass der Garten auch überwuchern und ausser Kontrolle geraten kann.

Wir sind eine sicherheitsliebende Gesellschaft. Gott beruft uns genau in dieser Zeit, Mut zu haben und gegen den Strom zu schwimmen, mit dem, was er uns aufs Herz legt, und mit den Fähigkeiten, die er uns gibt.

Hast du noch einen Gedanken, den du als Unternehmer loswerden möchtest?
Ich bin überzeugt, dass wir heutzutage dazu tendieren, Verantwortung zu vermeiden und Risiken aus dem Weg zu gehen. Wir sind eine sicherheitsliebende Gesellschaft. Gott beruft uns genau in dieser Zeit, Mut zu haben und gegen den Strom zu schwimmen, mit dem, was er uns aufs Herz legt, und mit den Fähigkeiten, die er uns gibt. Jedem gläubigen Menschen lege ich ans Herz, mutig zu sein, Sachen auszuprobieren und sich zu trauen für das eigene Leben und die einem gegebenen Ressourcen Verantwortung zu übernehmen und sie gezielt einzusetzen, wo immer es sie braucht.

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern. 

Datum: 22.08.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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