Leiter-Inspiration

Dienende Leiterschaft: Den richtigen Moment erkennen

Esther hat den entscheidenden Moment genutzt (Symbolbild)
Wie kommt es, dass eine jüdische Frau durch eine Heirat mit einem heidnischen König ein ganzes Volk retten kann? Woher nahm Ester den Mut, in einer Krisenlage die Führung zu übernehmen? Gedanken von Evi Rodemann aus dem Buch «Scheitern erwünscht».

Zum Kontext: Der persische König Ahasveros hatte seine Hauptfrau verstoßen. Ester, eine junge jüdische Frau und wie alle anderen Juden zu der Zeit in Gefangenschaft des Persischen Reiches, wurde aufgrund ihrer Schönheit als nächste Ehefrau ausgesucht. Sie lebte fortan in seinem Palast und war total abhängig von der Gnade des Königs. Das war keine Liebesgeschichte oder Beziehung auf Augenhöhe. Der persische König wurde gottgleich verehrt, er war die oberste Autorität. Ein Heben oder Senken seines Zepters entschied über Leben und Tod eines Bittstellers. Von Leitungsposition als Gattin des Königs kann also an dieser Stelle noch nicht die Rede sein.

Bereit, ihr Leben aufs Spiel zu setzen

Ihr älterer Cousin Mordechai erfuhr zufällig von einer Intrige, durch die die Juden ausgelöscht werden sollten. Er erkannte sofort, dass Gott seine Cousine Ester im richtigen Augenblick genau am richtigen Platz eingesetzt hatte, und agierte jetzt als Esters »Berufungsüberbringer«: Mordechai bat Ester darum, beim König vorzusprechen und ihn zu bitten, seine Entscheidung, die Juden zu töten, rückgängig zu machen. Ester kannte das Risiko genau. Ehefrau oder nicht, sie würde bei ungefragtem Erscheinen vor Ahasveros ihr Leben aufs Spiel setzen! Kein Wunder, dass sie zunächst zögerte. Sollte sie heraustreten, die Zügel in die Hand nehmen, für ihr Volk in die Bresche springen, obwohl es sie alles kosten könnte?

Mordechai ließ nicht ab, sie um Hilfe anzuflehen: «Denke nicht, dass du dein Leben errettest, weil du im Palast des Königs bist, du allein von allen Juden. Denn wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, wird eine Hilfe und Errettung von einem anderen Ort her den Juden erstehen. Du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?» (Ester 4,13-14; LUT)

Für diesen Moment auserwählt

Der Druck steigt. Ester reagiert auf diese innere Zerrissenheit mit dem geistlichen Weg – und das ist auch der Moment, in dem sie ihre Führungsposition mit einem Schritt nach vorne, ins Agieren, auszufüllen beginnt: Sie verordnet Gebet und Fasten für sich und alle Juden! In dieser Zeit stärkt sie ihr Herz in Gott, um bereit zu sein, ihr Leben für eine größere Sache zu opfern. Egal, was es sie selbst kosten würde, sie war der Wahrheit, der Ehre und dem Mut verpflichtet. Gott hatte sie genau für diesen Zeitpunkt auserwählt, einen Unterschied für ein ganzes Volk zu machen.

Nächste Woche geht es an dieser Stelle weiter mit Paulus. Hier geht es zu den vorherigen Teilen des Buches.

Zur Autorin: Evi Rodemann (Jg. 1971) lebt im Grossraum Hamburg und arbeitet als Theologin und Eventmanagerin. Sie engagiert sich in der internationalen Arbeit der Lausanner Bewegung und der «WEA Mission Commission» sowie in ihrem gegründeten Verein «LeadNow». Ihr Schwerpunkt ist die junge Leitergeneration. Ihr Buch erschien zum Thema «Scheitern erwünscht – warum uns Krisen als Leitende wachsen lassen».

Zum Buch:
Scheitern erwünscht!

Datum: 19.08.2026
Autor: Evi Rodemann
Quelle: Scheitern erwünscht

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