Simone Neuhauser: Schätze aus der Bibel heben
In einer Predigt hörte Simone Neuhauser, warum die Jünger an die Auferstehung geglaubt haben, nachdem sie das zusammengefaltete Grabtuch gesehen haben: Wenn ein Tuch so zusammengelegt war, hiess das bei den Handwerkern, dass die Arbeit erledigt war, den Lohn bekam man auf das Tuch – deshalb glaubten die Jünger.
Simone Neuhauser, die eine Spitex leitet, erinnert sich im Talk mit Ruedi Josuran an einen ganz persönlichen Wow-Effekt; für sie war klar: «'Ich werde auch so Sachen aus der Bibel herauslesen.' Es hat dann eine Zeit gedauert, bis ich dann einmal so einen Hinweis, ein 'Goldnugget' bekommen habe.»
Besonders ans Herz ist ihr die jüdische Hochzeit gewachsen. «Und ich habe entdeckt, dass das eigentlich die Liebesgeschichte von Gott mit uns ist.» Die Bibel sei eine grosse Parallele zur jüdischen Hochzeit. «Zahlreiche Bibelstellen im Neuen Testament, die Jesus sagt, entsprechen dieser jüdischen Hochzeit. Wenn man das liest und versteht, dann gehen einem Welten auf, weil man plötzlich erkennt, was das alles für einen Sinn und für eine Bedeutung hat.»
Ungetrennte Einheit
Beim jüdischen oder hebräischen Denken sei alles eine Gesamtheit, eine Ganzheitlichkeit. «Dort sind Leib, Seele und Geist eine Einheit, da wird nicht getrennt.» Anders als beim griechischen Denken. «Was ich am Sonntag mache, das ist geistlich. Wenn ich in eine Bibelstunde gehe, ist das geistlich, an dem hat Gott Freude. Und wenn ich jetzt einfach als Hausfrau oder als Mutter zu Hause bin, ist das weltlich.»
Im Griechischen gehe es ums Verstehen, sagt die langjährige Gebetskoordinatorin bei MIP («Moms in Prayer»). «Es geht alles über den Verstand. Aber das hebräische Denken geht an einen Text ran und fragt: ‘Was kann ich in meinem Leben umsetzen?' Es geht nicht über das Verstehen, nicht über die Vernunft.»
Nicht nur hören, sondern umsetzen
Ein gutes Beispiel sei die Bergpredigt. «Du denkst: 'Ach nein, nicht schon wieder. Ich kenne die in- und auswendig. Die haben wir schon so oft gehabt.' Doch solange du nur über das Wissen weisst, was dort drin steht, hast du sie gar nicht begriffen. Wenn ich nachher sehe: 'Ah, du setzt es um, was dort drin steht', dann hast du es begriffen. Und das ist eigentlich das hebräische Denken. Wenn du anfängst, es in deinem Leben umzusetzen, wenn du das, was du liest, tust, dann hast du es wirklich begriffen.» Das hebräische Denken sei das Hören und Tun.
Glaube ohne Werke ist demnach tot. «Es geht nicht nur um Missionare, die als Vollzeiter draussen sind, sondern dort, wo du bist, da wo ich bin und meinen Job mache, dort bin ich ein Vollzeiter. Dort können die Leute an mir sehen, für was ich einstehe oder nicht.»
Das Hebräische sei ganzheitlich, auch im Gottesdienst. «Jeder kommt und hat ein Wort, hat einen Psalm, hat ein Lied, hat irgendetwas auf dem Herzen und kann das beitragen. Und nicht mehr: Einer steht vorne, der alles weiss und sagt. Das ist die Krux von dem ganzen griechischen Denken. Wir sind passiv geworden. Wir wollen Predigten haben, wir wollen, dass uns alles vorgekaut wird und ich nicht mehr überlegen muss, nicht mehr denken muss, nicht mehr mich mit dem Wort auseinandersetzen muss.» Doch es gehe um die Beziehung zum Vater. «Deshalb hat er uns geschaffen. Er hat uns geschaffen, weil er Beziehung haben will mit uns.»
Im Alten Testament verankert
«Das Alte Testament ist unser Fundament», erklärt Simone Neuhauser. «Was Jesus gesagt hat, hat den Kern im Alten Testament.» Alles sei eigentlich im Alten Testament verankert. «Und wir schieben das einfach auf die Seite und sagen, das es uns nichts mehr zu sagen hat.»
Die jüdischen Wurzeln seien wichtig. «Paulus hat gesagt, dass wir eingepfropft sind in den alten edlen Ölbaum. Das ist das Judentum. Und wir sollen aus diesem Saft heraus genährt werden. Und das ist [in der heutigen Zeit] einfach gekappt worden und es ist quasi ein neuer Baum gepflanzt worden. Und die Wurzeln, die sind vergangen und vergessen worden. Aber ich finde es mega spannend, das wieder zu entdecken.» Es gehe nicht darum, dass wir Juden werden sollen, aber Jesus habe in der jüdischen Weise gedacht «und alle seine Jünger haben das hebräische Denken gehabt und in dieser Kultur gelebt.» Dies zu entdecken sei eine Bereicherung.
Ganzheitlich im Alltag
Sie versuche, nicht am Morgen schnell fünf Minuten zu beten und Gott dann wieder in die Ecke zu stellen und ihr Leben in der Arbeitswelt zu leben. «Sondern ich versuche wirklich, eigentlich den ganzen Tag mit ihm verbunden zu sein und immer wieder mit ihm zu reden, was ich jetzt machen soll.» Zum Beispiel, was das Gegenüber braucht, «oder wie kann ich ihr noch etwas weitergeben oder auch auf die Impulse hören, die ich von ihm bekomme – und dann darauf zu reagieren.»
Simone Neuhauser bietet auch Seminare an, unter anderem am Freitag, 20. November in Bern zum Thema Hebräisches Denken.
Zum Talk:
Datum: 18.08.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet