Im Feuerofen geläutert
«Um die Reinheit von Silber und Gold zu prüfen, wird es im Kessel oder im Ofen geschmolzen. Aber die Herzen der Menschen prüfen, das kann allein der Herr.»
Sprüche 17,3 / BasisBibel
Schon bei seiner Vorstellung als Trainer des FC Liverpool, mit dem er unter anderem die Champions League gewann, bezeichnete sich Jürgen Klopp gerne als normalen Typen aus dem Schwarzwald, «The Normal One». Das Erstaunliche an ihm, das auch bei der Pressekonferenz vom 24. Juli zum Ausdruck kam, ist dies: man kauft ihm ab, dass er mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist und man ist angezogen von seinem Charakter. Zum zweiten Aspekt, was einen gefestigten, zum Mut befreiten Charakter so besonders (und gar nicht normal) macht, möchte ich heute ein paar Gedanken aus dem Buch der Sprichwörter, dem Buch Daniel und der Bibel insgesamt mit euch teilen.
«Ernsthafter Botschafter des Christentums»
Ich beobachte Jürgen Klopps Laufbahn nicht in erster Linie wegen seines sportlichen Erfolgs, sondern wegen seiner Inspirationskraft. Natürlich ist umso schöner, dass er öffentlich immer wieder betont, dass er an Jesus Christus glaubt. Vor ein paar Tagen schrieb etwa die «Frankfurter Allgemeine» über seinen Glauben («Klopp, der Christ»); die jüngste Biografie beschreibe ihn als ernsthaften Botschafter des Christentums, so die FAZ.
Diesen Eindruck teile ich, nachdem ich mir zum Beispiel das 2,5-stündige Gespräch von Jürgen Klopp bei «Hotel Matze» im Frühling 2025 angehört hatte (Gesprächs-Podcast von Matze Hielscher). Vielleicht geht’s vielen Menschen so wie mir, dass sie in der Ernennung dieses Mannes eine grössere Geschichte sehen als nur ein potenzielles Wiedererstarken der deutschen Fussballnationalmannschaft bis zur nächsten WM. Womöglich – so meine Hoffnung – wird es diesem «Natural Leader» (ein weiterer Übername, der ihm gegeben wurde) gelingen, den Blick auf ganz andere Themen des Lebens zu lenken. Einer, der das als Fussballtrainer auch meisterhaft lebte, war Christian Streich. Der ehemalige Trainer konnte eine Pressekonferenz zur Situation «seines» SC Freiburg gerne mal in eine Philosophiestunde zu Themen wie Habgier, Demut und Hingabe umwandeln. Solche Charaktertypen sind ein echtes Geschenk an die Welt, fast wie der junge Daniel damals im Reich Babylon, zu Zeiten des Herrschers Nebukadnezar rund 600 vor Christus.
Aus ähnlichem Holz geschnitzt wie Daniel?
Vielleicht würde Jürgen Klopp sogleich insistieren, wenn ich ihn mit dem Propheten Daniel vergleiche. Aber mich erinnert sein Lebens- und Führungsstil unweigerlich an den Weg von Daniel. Dieser war 15 Jahre jung, als er mit seinem Volk Israel ins Exil verschleppt wurde. Israel war zu dieser Zeit in Unmoral und Götzendienst abgerutscht. Die Lage war hoffnungslos. Doch Daniel blieb Gott treu und fand einen Weg, ihn mitten im babylonischen Umfeld weiter anzubeten. Er weigerte sich, die jüdische Identität aufzugeben und sich der heidnischen Kultur anzupassen. Bei jeder Prüfung des Herzens bewies er Rückgrat – sei es beim Essen, bei der Götzenanbetung oder bei der Auslegung von Träumen und Visionen.
Der US-Pastor Rick Warren hat in der mehrteiligen Predigtserie «Unerschütterlich», die auf dem YouTube-Kanal von Bibel TV auf Deutsch zu sehen ist, einige wesentliche Merkmale von Daniel herausgearbeitet. Aus der ganzen Sammlung an unerschütterlichen Eigenschaften habe ich drei ausgewählt, die ich in unserer Zeit als besonders wertvoll erachte:
1. Er bleibt seinen Werten treu
Zum 1. August 2026 müssen wir leider feststellen, dass die gesunden Massstäbe Gottes in der Schweiz zunehmend über Bord geworfen werden. In Deutschland sind die Zustände noch verrückter. Wir sehen, wie christliche Wurzeln an Bedeutung verlieren, wenn es um die Würde am Anfang und am Ende des Lebens geht, wenn es um Grosszügigkeit, Barmherzigkeit und Demut geht. Schon der Prophet Jesaja warnte, dass eine Kultur auseinanderbricht, wenn sie die Werte umkehrt, die sie stark gemacht haben: «Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Schwarz Weiss und aus Weiss Schwarz machen, aus sauer süss und aus süss sauer!» Jesaja 5,20 / Neues Leben
Der junge Israelit Daniel lebte ebenfalls in dieser Situation. In Babylon herrschte eine gottlose Kultur, in der nur Reichtum, Schönheit und Intelligenz zählten. Ein Mensch war nur etwas wert, wenn er schön und gebildet war oder Geld besass. Was Daniel daher im Exil am stärksten auszeichnet, ist seine kompromisslose Treue zu einem Gott, der die Identität und den Wert anders definiert. Daniel entschied sich für den geraden Weg mit Gott, statt sich anzupassen. Sein Herz wird mehrfach geprüft. Auch unsere Herzen werden mitten in verdrehten Umständen geprüft: «Nur ich, der Herr, kann es! Ich prüfe jeden Menschen bis in sein tiefstes Innerstes hinein. Ich werde jedem das geben, was er für seine Taten verdient.» (Jeremia 17,10 / Neues Leben)
Unsere Integrität scheint eine entscheidende Rolle zu spielen. Rick Warren bringt es in seiner Predigtreihe sogar auf den simplen Nenner, dass in unserem Leben einer grösseren Verantwortung und einem grösseren Segen meist eine Prüfung unseres Herzens vorausgeht. «Wenn Gott dich segnen will, wird er dich auch prüfen. Er will sichergehen, dass du mit der Kraft und dem Einfluss klarkommen wirst.» Wir sollten also nicht überrascht sein, wenn wir im Feuerofen geläutert werden.
2. Er baut sich einen Ruf auf, zuverlässig zu sein
Obwohl Daniel unter einem heidnischen Führer leben musste, blieb er respektvoll und diente Nebukadnezar vorbildlich. Warum ist dieser Punkt wichtig? Weil uns nur ein verantwortungsbewusstes Dienen und Arbeiten in eine Position bringt, wo unsere Stimme angehört wird. Leute mit viel Verantwortung erkennen verantwortungsbewusste Menschen und denken an sie, wenn’s hart auf hart kommt. «Deshalb sollten wir Christen als die besten Bürger des Landes gelten», betont auch der Saddleback-Gründer Rick Warren. Wir sollten fleissig, konsequent, integer sein. Menschen mit Rückgrat, Disziplin und Mut. Deshalb bau dir einen Ruf auf, zuverlässig zu sein.
Dazu die zwei überzeugenden Verse 22,29 und 25,6 aus den Sprüchen: «Kennst du jemanden, der fähig ist in seinem Beruf? Er wird in den Dienst von Königen treten, geringeren Leuten wird er nicht dienen…» – «Rühme dich nicht vor dem König und dräng dich nicht in den Vordergrund! Warte, bis man zu dir sagt: 'Rück einen Platz vor!' Das ist besser, als wenn du im Kreis der Vornehmen nach hinten in die letzte Reihe treten musst.»
3. Seine Identität ist verwurzelt in Gott
Lasst uns nochmals einen Schwenker zu Jürgen Klopps Antrittsrede als Bundestrainer machen. Da machte er direkt klar, dass es bei dieser Mission nicht um ihn gehe. Er signalisierte eine hohe Unabhängigkeit, wenn er sagte, er nehme jede sachliche Kritik gerne entgegen und werde ohne Abfindung gehen, wenn man ihn nicht mehr in dieser Aufgabe sieht. Auf mich wirkt das so, als ob er nicht darauf aus ist, seine Existenz oder seinen Ruf abzusichern. Er klammert sich nicht an seinen Status und stellt ehrliches Handeln, Verantwortung und Menschlichkeit an erste Stelle. Im Podcast bei «Hotel Matze» sagte er es in diesen Worten:
«Ich mache mir extrem viele Gedanken übers Leben – eigentlich rund um die Uhr… So bin ich gerne Ratgeber, Problemlöser und Zuhörer für ein paar Leute. Für meine Familie. Aber auch als Trainer habe ich gerne eine Art Vaterrolle; das heisst, ich schaffe gerne einen Rahmen, in dem die Menschen selbst gute Entscheidungen treffen können.»
Auch hier schwingt viel Vertrauen mit, Vertrauen in seine natürliche Autorität, in die Menschen und wohl auch in Gott. Bei Matze Hielscher war der Glaube nicht das zentrale Thema, doch Klopp erwähnte beiläufig, dass er gläubig sei: «Ich glaube an Gott. Ich finde viel Ruhe in Gebeten.»
Die Parallele zu Daniel ist offensichtlich: Wenn man weiss, wer man in Gottes Augen ist, kann man aus dieser Identität heraus mutig wirken und prägen. «Vertraue dem Herrn von ganzem Herzen! Verlass dich nicht auf deinen eigenen Verstand! Erkenne seinen Willen auf allen deinen Wegen, so wird er dir den Weg bahnen.» (Sprüche 3,5-6) Das ist die Basis, die es ermöglicht, sich selbst treu zu bleiben – ohne ständig seinen Status überwachen oder den eigenen Besitz absichern zu müssen.
Meine Hoffnung als Christ, nicht als Fussballfan!
Ich hoffe, dass dieser Exkurs ins Buch Daniel deutlich macht, wie dringend wir gerade heute Persönlichkeiten wie Jürgen Klopp brauchen. Es sind Menschen, die sich nicht von der Furcht des Scheiterns oder anderen Ängsten bremsen lassen. Sie wecken eine Sehnsucht, wie es sein könnte, in sich zu ruhen und mit einem tiefen Gottvertrauen mutig die eigenen Werte zu leben.
Es ist das erste Mal, dass ich als Schweizer aus tiefstem Herzen dem deutschen Fussball einen Aufschwung wünsche. Aber noch wichtiger: Ich bete, dass Jürgen Klopp die Weisheit haben wird, in den jeweiligen Situationen ein guter Botschafter für dienende und demütige Leiterschaft zu sein und dass Gott ihm nah sein wird, sodass er seinen Glauben sowohl im Erfolg wie im Misserfolg glaubwürdig leben wird. Danke für die Inspiration, Kloppo!
Zum Autor: Florian «Flo» Wüthrich ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er liebt es, das Evangelium authentisch und gesellschaftsrelevant zu kommunizieren und als Brückenbauer in der christlichen Szene zu wirken. Flo ist seit über 25 Jahren als Journalist tätig. 2014 wechselte er vom Radio- in den Online-Journalismus zu Livenet. 2023 hat er die Verantwortung als Livenet-CEO übernommen. Als Talkmaster, Redaktor und Redaktionsleiter Hope Schweiz bringt er seine Stimme jedoch weiterhin auf allen Livenet-Portalen ein.