Wenn’s bei Kirchen «funkt»
Im Interview mit Livenet berichtet der vierfache Vater (47) von jungen Menschen mit geistlichem Hunger, Kirchen, die nicht nur Personen, sondern eine ganze Drogen-Reha auf die Beine stellten und «Matches» bei Kirchgemeinden. Das engagierte Mitglied der EMK Hunzenschwil, der auch gern mal beim Bogenschiessen aktiv ist, erzählt Roland Streit gegenüber von seinem Wirken als Führungsperson.
Du bist ja vor allem Netzwerker, wie motivierst du für ein Miteinander?
Andi Bachmann: Es ist wie in der Partnervermittlung: Wir versuchen, gute Voraussetzungen für eine passende Zusammenarbeit zu schaffen. Wir können das Entscheidende jedoch nicht machen, dass es schlussendlich «funkt» oder «matcht» und sich Menschen lieben lernen. Das ist beim Miteinander von Christinnen und Christen genauso. Es ist immer ein Wunder, wenn sich Herzen einander zuwenden. Und wenn es um Wunder geht, das lehrt uns Jesus in Johannes 17, ist Beten die beste Antwort. Als Team treffen wir uns jede Woche zum Gebet. Ansonsten erzählen wir ermutigende Geschichten, versuchen als SEA-Team ein gutes Vorbild des Miteinanders abzugeben und schaffen ganz praktisch gute Voraussetzungen, damit Kooperationen gelingen können: Wir veranstalten wichtige Vernetzungsanlässe wie das Leiterinnen- und Leiterforum, bieten Grafik-, Web- oder Kommunikationsdienstleistungen oder Vereinsstrukturen, welche echte Partizipation möglich machen.
Wozu spannen die Gemeinden der Allianz-Sektionen zusammen, wie sehen Leuchtturm-Projekte aus?
Besuche bei den lokalen Allianzen gehören zu meinen Highlights. Besonders berühren mich Beispiele, in denen sich Christen und Kirchen zusammengeschlossen haben, um ihren Städten und Dörfern zu dienen. In Luzern hat man während meiner Jugend zum Beispiel gemeinsam eine Drogen-Reha gegründet, um auf die akute Not von drogenabhängigen Menschen zu reagieren. In Wil SG haben Kirchen gemeinsam über 1000 Menschen in Alphalive-Kurse eingeladen und in St Gallen sind Leitende der lokalen Allianz im ständigen Austausch mit den Behörden. Christen sind hier Partner mit wichtigen Ressourcen für die Stadt.
Es ist eine Freude, als Co-Generalsekretär der SEA, der ältesten weltweiten Einheitsbewegung, einen kleinen Beitrag zu leisten, damit das Miteinander gestärkt wird. Zum Beispiel, indem ich schwärme von der Kraft und Schönheit des gottgemachten Miteinanders oder helfe, passende Partner an einen Tisch zu bringen. Und was mich jedes Jahr sehr berührt, ist die Allianzgebetswoche: Zehntausende von Christen verschiedener Kirchen treffen sich jeden Januar in ihren Häusern, in Kirchen, auf Plätzen oder Feldern, um für ihre Städte und Dörfer zu beten. Das hört sich auf den ersten Moment wenig spektakulär an. Im gemeinsamen Gebet, so hat es uns Jesus versprochen, liegt jedoch eine grosse Kraft.
«Kirchen sind dort lebendig, wo die ganze Botschaft von Jesus Christus fröhlich verkündigt wird und sich die ganze Kirche (nicht nur die Pastoren) für die Menschen in ihrem Umfeld und die ganze Welt engagieren.»
PraiseCamps, eine neue Spiritualität bei Jungen und Neue, die dazukommen. Wie förderst und begleitest du sie?
Als SEA durften wir das PraiseCamp mitgründen und sind heute eine von vier Veranstalter-Organisationen. Das PraiseCamp ist ein grossartiges Beispiel, was möglich wird, wenn man gemeinsame Sache macht. Niemand von uns könnte alleine ein PraiseCamp organisieren. Nach Corona waren wir unsicher, ob überhaupt noch junge Menschen in den Kirchen sind. Das erste Camp nach der Pandemie wurde zum grössten Camp überhaupt mit ca. 7000 Teilnehmenden. Junge Menschen suchen intensiv nach Sinn, Orientierung und Gemeinschaft. Und sie sind gegenüber dem christlichen Glauben sehr offen. Sie spüren: Hier ist etwas das trägt, wenn die Welt aus den Fugen gerät.
Gibt es nationale Trends, wo Gemeinden blühen und lebendig sind und wo wirkst du selber mit?
Ich selber bin Teil einer tollen Lokalgemeinde, wo ich mich ehrenamtlich im Kinderprogramm und im Predigtdienst engagiere. Dort und im Allianz-Netzwerk begegne ich vielen lebendigen Kirchen. Ich bin vorsichtig mit zu einfachen Rezepten, welche Kirchen zum Blühen bringen. Das hat immer auch etwas mit der Gnade Gottes zu tun. Was ich beobachte: Kirchen sind dort lebendig, wo die ganze Botschaft von Jesus Christus fröhlich verkündigt wird und sich die ganze Kirche (nicht nur die Pastoren) für die Menschen in ihrem Umfeld und die ganze Welt engagieren. Dieser Dreiklang («Die ganze Gemeinde bringt das ganze Evangelium in die ganze Welt») hat die Lausanner Bewegung geprägt und begeistert mich bis heute.
«Wir werden immer älter und es kommen weniger Kinder zur Welt. Das wird unsere Gesellschaft und unsere Kirchen sehr verändern.»
Welche schwierigen gesellschaftlichen Trends spielen in die Gemeindelandschaft rein und wie geht ihr damit um?
Dazu zwei Beispiele: Die Säkularisierung ist in der Schweiz stark fortgeschritten. Nur noch eine kleine Minderheit hat einen Bezug zum christlichen Glauben. Teilweise nehmen die Forderungen zu, Religion komplett aus der Öffentlichkeit (Schule, Spital, Militär, etc.) zu verbannen. Als SEA engagieren wir uns, um für Religions- und Glaubensfreiheit einzustehen. Christen haben wertvolle Beiträge in die Gesellschaft einzubringen und es ist legitim, seine Haltungen mit dem Glauben zu begründen. Eine pluralistische Gesellschaft sollte diese Irritationen aushalten können. Dafür machen wir uns stark.
Ein zweites Beispiel: Die Schweiz, wie auch der Rest der westlichen Gesellschaft altert in hohem Tempo. Wir werden immer älter und es kommen weniger Kinder zur Welt. Das wird unsere Gesellschaft und unsere Kirchen sehr verändern. Mit unserer Arbeitsgemeinschaft «Perspektive 3D» fragen wir uns, wie das dritte Drittel des Lebens glaubensvoll gestaltet werden kann. Ich freue mich, dass wir hier wertvolle Impulse setzen können, die viel Resonanz finden.
Jungschar oder andere Kids-Angebote sind oft erfolgreich. Wie können sie zur Integration von nichtkirchlichen Familien genutzt werden?
Erlebnisorientierte Angebote für Kinder und Jugendliche sind super, weil sie junge Menschen ganzheitlich fördern. Ich selbst wurde durch die Jungschar in Luzern als Kind sehr stark gefördert und ermutigt. Solche Angebote sind genau im Sinne des Evangeliums – hier geht es nicht nur um Seelenheil, sondern umfassendes Wohlbefinden: Gute Beziehungen, entdecken der eigenen Persönlichkeit und ein gesunder Bezug zur Natur. Und natürlich gehören auch Antworten auf Sinn- und Lebensfragen zu einem erfüllten Leben. Als Allianz haben wir die Charta der christlichen Kinder und Jugendarbeit mit verfasst, um diesen wertvollen Beitrag der christlichen Angebote verständlich zu erklären. Und wie die Praxis in Kinderwochen, Jungscharlagern oder Teenie-Camps zeigen, finden diese Angebote auch bei kirchenfernen Menschen eine grosse Nachfrage. Ich denke die Menschen spüren, dass hier ein gutes Angebot besteht und es von Menschen durchgeführt wird, die Ihre Kinder lieben.
Zur Website:
Schweizerische Evangelische Allianz
Datum: 18.07.2026
Autor:
Roland Streit
Quelle:
Livenet