Impuls aus den Sprüchen

Richtig entscheiden in einer korrupten Welt

Präsident Donald Trump posiert für ein Foto mit FIFA-Präsident Gianni Infantino (Wikimedia Archiv)
Die Fussball-WM 2026 schreibt dieser Tage Skandalgeschichten in einer schwindelerregenden Dichte. Allein die letzte Woche war verrückt. König Salomo würde wohl den Kopf schütteln bei all dieser Korruption, dem Rassismus und den üblen Beschimpfungen.

«Sei nicht eifersüchtig auf böse Menschen! Wünsch dir nicht, zu ihnen zu gehören!»
Sprüche 24,1 / BasisBibel

Grundsätzlich ist mein Ziel, in dieser Rubrik zu den Sprichwörtern einen konstruktiven und ermutigenden Ton anzuschlagen. Doch es gibt Momente, in denen es mir schwerfällt. Dies war zum Beispiel Mitte April der Fall, als sich Donald Trump in einem KI-Bild als Messias darstellte. Da war Sprüche 25,11 zu Überheblichkeit und Stolz mein Aufhänger.

Ohne mich als Richter oder moralische Instanz aufspielen zu wollen, zieht es mich auch heute zu den mahnenden Worten von König Salomo, denn die letzten WM-Tage haben mir echt zugesetzt.

Die Chronik einer skandalträchtigen WM-Woche

Natürlich habe ich in der Nacht auf Mittwoch nach Rubén Vargas’ versenktem Penalty mit den Schweizer Fussballfans mitgejubelt. Die WM hat einige schöne Geschichten geschrieben. Gleichzeitig gab es einige Abgründe menschlicher Entgleisungen zu beobachten:

  • Es begann am Montag mit der Aufhebung der Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun, die US-Präsident Trump bei einem Anruf bei FIFA-Präsident Infantino erwirkt haben soll. Wie Sport-Experte Marcel Reif gegenüber Bild und blue sagte, könnte nun eine Chance bestehen, die FIFA umzukrempeln.
  • Dann hatten wir die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia, die Frankreichs Superstar Mbappé rassistisch beleidigte, unter anderem mit den Worten, er sei ein «kolonisierter Kameruner, der den harten Franzosen spiele, aber voller Minderwertigkeitskomplexe sei, neureich, arrogant und hässlich».
  • Schliesslich gab es noch heftigen Wirbel um unseren Schweizer Viertelfinal-Gegner Argentinien, der im Spiel gegen Ägypten ein 0:2 spät in ein 3:2 verwandeln konnte. Ägypten wittert eine Verschwörung, da eine strittige Szene (Foul im Strafraum der Argentinier) nicht durch den VAR korrigiert wurde. Der ägyptische Trainer redete sich in Rage: «Das war ganz klar ein manipuliertes Spiel. Die Argentinier haben Druck auf den Schiedsrichter ausgeübt. Sie wollten, dass Messi im Turnier bleibt.»

Gut möglich, dass ich zwei bis drei weitere WM-Skandale ausgelassen oder verpasst habe. Doch die Liste der Entgleisungen ist schon jetzt imposant.

Salomos väterliche Warnungen

Ohne die Fälle detailliert zu beleuchten, führt mich diese Sammlung aus einigen Tagen Theater auf der Fussball-Weltbühne zuerst zu den ersten Kapiteln der Sprichwörter, den sogenannten Vater-Sohn-Reden, auch Lehrreden genannt. Wir lassen unkommentiert einige Sprüche sprechen, die Warnungen vor gewalttätigen, kriminellen oder korrupten Machenschaften im Fokus haben:

«Mein Sohn, wenn Sünder dich verführen wollen, dann folge ihnen nicht… Setz deinen Fuss nicht auf ihren Weg! Denn ihre Füsse laufen dem Bösen nach. Sie sind schnell dabei, Blut zu vergiessen. Vor den Augen der Vögel ist das Netz ausgespannt. Trotzdem gehen sie in die Falle, einfach so. Auch die Gewalttäter rennen ins Verderben, sind drauf und dran, ihr Leben zu verspielen.» Auszug aus Sprüche 1,8-18, Basis Bibel

Als wäre das noch nicht eindringlich genug, doppelt der Lehrer in mehreren Passagen nach – unter anderem in Kapitel 3,31-32: «Sei nicht neidisch auf einen Menschen, der sich durch Unrecht einen Vorteil verschafft! Zieh niemals einen seiner Wege in Betracht! Denn der Herr verabscheut Menschen, die auf verkehrten Wegen gehen. Aber denen, die aufrecht durchs Leben gehen, schenkt er seine Freundschaft.» Dieser scharfe Ton klingt ungewohnt in unseren Ohren, nicht wahr? Und doch sollten wir sie nicht ignorieren.

Was kann uns vor dem falschen Weg bewahren?

Der Lehrer verschweigt im dramatischen Intro der ersten Sprüche-Kapitel natürlich nicht, wie der Weg des Gerechten aussieht. Auch hier lassen wir die Bibel sprechen und prüfen uns und unsere Motive: «Halte dich nicht selbst für klug! Begegne dem Herrn mit Ehrfurcht und meide das Böse! Das hält dich gesund und ist eine Arznei für deinen Körper (Sprüche 3,7-8)… Glücklich zu preisen ist der Mensch, der Weisheit gefunden hat und Einsicht gewinnt (Sprüche 3,13)… Höre, mein Sohn, nimm meine Worte an! Dann wirst du viele Jahre leben. Ich habe dir den Weg der Weisheit gezeigt und dich auf die richtige Spur gesetzt (Sprüche 4,10-11)… Lass deinen Mund die Wahrheit nicht verdrehen! Nichts Verkehrtes soll über deine Lippen kommen (Sprüche 4,24)… Am Anfang der Weisheit steht die Ehrfurcht, mit der man dem HERRN begegnet. Wer zur Erkenntnis des heiligen Gottes kommt, wird Einsicht erlangen (Sprüche 9,10).»

Besser arm und ehrlich als reich mit schlechtem Gewissen

Die Aufforderung, ehrfürchtig zu bleiben und das Böse zu hassen, taucht in der Folge regelmässig in den Sprichwörtern auf (der Weg des Frevlers oder des Gerechten). Es scheint also, dass das Liebäugeln mit krummen Machenschaften eine verlockende Kraft auf uns Menschen ausüben kann. So wird auch die Warnung vor der Eifersucht auf böse Menschen (Sprüche 24,1) nachvollziehbar. Gemeint ist damit etwas sehr Menschliches: der Blick auf andere, die scheinbar erfolgreich sind – obwohl sie sich falsch verhalten. Dabei sollte uns bewusst sein:

1. Scheinbarer Erfolg kann täuschen

«Böse Menschen» (also solche, die unfair, unehrlich oder rücksichtslos handeln) können kurzfristig Vorteile haben: Geld, Macht, Einfluss. Das kann Neid auslösen. Salomo warnt davor, weil dieser Erfolg oft nicht von Dauer ist oder einen hohen Preis hat (innerlich, moralisch, langfristig).

2. Neid zieht dich in die falsche Richtung

Wenn man beginnt, solche Menschen zu beneiden, kann das dazu führen, dass man ihr Verhalten rechtfertigt oder sogar nachahmt. Der Gedanke dahinter: «Wenn es bei ihnen funktioniert, warum nicht auch bei mir?»

3. Fokus auf den eigenen Weg

Statt sich zu vergleichen, soll man sich auf ein gerechtes, ehrliches Leben konzentrieren. In der Weisheitsliteratur der Bibel gilt: Ein Leben mit Integrität ist wertvoller als schneller, unrechtmässiger Erfolg. Es geht also um das Vertrauen, dass sich am Ende Gerechtigkeit durchsetzt – auch wenn es kurzfristig anders aussehen mag. Dies bringt das Sprichwort in Kapitel 15, Vers 16 wunderschön auf den Punkt: «Besser arm und Ehrfurcht vor dem HERRN als reich und ein schlechtes Gewissen dabei.»

Ganz ähnlich auch in Kapitel 28, Vers 6: «Besser arm sein und ein tadelloses Leben führen als krumme Wege gehen und reich sein.»

Zum Schluss: zwei jesus.ch-Artikel zum Weiterdenken

Mir ist bewusst, dass der heutige Impuls ziemlich wuchtig ausgefallen ist. Wir sollten daher vor Augen halten, in welche Zeit die Sprüche Salomos geschrieben wurden. Es war vor der Gnadenzeit (über 900 Jahre vor Christus). Zudem blieb auch Salomo den hohen Massstäben nicht ein Leben lang treu, wie in 1. Könige 11 zu lesen ist. Dennoch sind die Betrachtungen über die tiefen menschlichen Sehnsüchte, Möglichkeiten, Versuchungen usw. noch heute so aktuell und wahr wie damals.

Wer sich tiefer mit der Frage auseinandersetzen möchte, wie ich als Christ in einer verdrehten Welt gerade leben kann, findet auf dem Portal jesus.ch zwei starke Artikel:

Zum Autor: Florian «Flo» Wüthrich ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er liebt es, das Evangelium authentisch und gesellschaftsrelevant zu kommunizieren und als Brückenbauer in der christlichen Szene zu wirken. Flo ist seit über 25 Jahren als Journalist tätig. 2014 wechselte er vom Radio- in den Online-Journalismus zu Livenet. 2023 hat er die Verantwortung als Livenet-CEO übernommen. Als Talkmaster, Redaktor und Redaktionsleiter Hope Schweiz bringt er seine Stimme jedoch weiterhin auf allen Livenet-Portalen ein.

Datum: 10.07.2026
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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