Impuls aus den Sprüchen

«Wer Schmähungen unbeachtet lässt, ist klug»

Lass dich nicht runterkriegen, denn Gott wird für Gerechtigkeit sorgen (Symbolbild) / Florian Wüthrich
König Fussball regiert mal wieder in diesen Tagen. Gestern kam auch das Schweizer Nationalteam mit dem ersten Sieg in die richtige Spur. Livenet-CEO Flo Wüthrich erzählt in der heutigen Folge der Sprüche-Serie eine etwas andere Fussball-Anekdote.

«Ein Dummer zeigt seinen Ärger noch am selben Tag. Wer aber Schmähungen unbeachtet lässt, ist klug.» 
Sprüche 12,16 / BasisBibel

Mein denkwürdiges Fussball-Erlebnis liegt genau vier Monate zurück. Zu diesem Zeitpunkt war es ungefähr 30 Grad kälter als aktuell und in Dortmund lief der Willow Creek Leitungskongress. Als Borussia Dortmund-Fan spekulierte ich schon länger darauf, während dieser Konferenz auch ein Bundesliga-Spiel zu besuchen. Und tatsächlich, am 13. Februar spielte der BVB gegen den 1. FSV MAINZ 05. Voller Vorfreude fragte ich einen Kollegen, der öfter Fussballreisen organisiert, ob er mir Tickets organisieren könnte. Das sei gar kein Problem, meinte dieser.

Die Vorfreude

Alles schien bereit für einen unvergesslichen Abend im Stadion. Endlich würde ich den BVB mal live im Signal Iduna Park erleben, nachdem ich so viel über die einmalige Stimmung, die an Heimspielen herrscht, hörte. Ich freute mich, Gregor Kobel, Guirassy, Felix Nmecha & Co. zu sehen (letzterer ist ja der Held der ersten WM-Woche nach seinem starken Interview nach dem Curacao-Match; jesus.ch berichtete darüber). Ein paar Stunden vor Matchbeginn erhielt ich schliesslich von meinem Kollegen die Mail mit den elektronischen Tickets. So machte ich mich mit meinem Vater und seiner Partnerin auf den Weg in Richtung Stadion.

Die Enttäuschung

Bei eisigen Temperaturen standen wir in der Schlange vor dem Haupteingang. Problemlos passierten wir die erste Schleuse des Stadions, doch kurz bevor wir unseren Sektor erreichten, hielten uns ein paar Männer vom BVB-Sicherheitsdienst an und fragten nach unseren Tickets. Sie hätten den Verdacht, dass wir mit gefälschten Dokumenten ins Stadion gekommen seien, wir seien wohl hereingelegt worden. Nach längerem Prozedere an der Hauptkasse stand für die Ordnungshüter fest, dass wir gefälschte Tickets hatten. Wir erhielten Stadionverbot (ich weiss noch heute nicht, ob das Verbot nur für diesen Abend galt oder ob wir immer noch registriert sind) und wurden fast wie Schwerverbrecher weggejagt.

Die Reaktion

Stephen R. Covey schreibt in seinem Millionen-Bestseller «Die 7 Wege zur Effektivität», dass es zwischen Reiz und Reaktion immer einen Raum gibt. «In diesem Raum verbirgt sich unsere Verantwortung und unsere Grösse als menschliche Wesen.» Auch wenn es innerlich brodelte und ich wütend war, dass mein Kollege uns in diese missliche Lage kommen liess, konnte ich Gott sei Dank meine Gefühle in diesem Moment beherrschen. Bereits im Taxi zurück in unsere Airbnb-Wohnung sagte ich meinem Vater, das Leben sei zu kurz, um sich über so etwas aufzuregen. Immerhin konnten wir dann in der Wärme bei einem Tee das Spiel schauen.

In jungen Jahren wäre ich in so einer Situation explodiert und hätte den Kollegen am gleichen Abend angerufen und mit einer Schimpftirade eingedeckt. Doch ich bin dankbar, dass ich inzwischen eher in der Lage bin, einen Schritt zurück zu machen. Tatsächlich ging mir auch dieser Vers aus Sprüche 12,16 durch den Kopf: «Ein Dummer zeigt seinen Ärger noch am selben Tag. Wer aber Schmähungen unbeachtet lässt, ist klug.»

Überraschend und herausfordernd war nach dem verpassten Fussballspiel die Tatsache, dass mein Kollege sich keiner Schuld bewusst war. Er könne diesen Klub nicht ernstnehmen. So etwas sei ihm in vielen Jahren noch nie passiert und überhaupt verstehe er die Welt nicht mehr. Da kam keine Entschuldigung. Nichts. Auch hier verspürte ich den Impuls (ich denke, das war Gott), nicht zurückzuschlagen, sondern mal einen kühlen Kopf zu bewahren.

«Wer sparsam mit Worten umgeht, beweist Einsicht. Wer einen kühlen Kopf behält, zeigt Verstand.» 
Sprüche 17,27 / BasisBibel

Nach einem weiteren «Anstupser» des Heiligen Geistes schrieb ich meinem Kollegen eine Nachricht, dass ich den Fall gerne abschliessen würde, und bat um die Daten, um alle Kosten – einschliesslich der gefälschten Tickets – zu überweisen.

Die Begegnung

Yannick Spriessler und Florian Wüthrich vor dem BVB Stadion

Auf meine WhatsApp-Nachricht reagierte mein Kollege vorläufig nicht. Für mich fühlte sich die Sache nun stimmig an und ich konnte die Enttäuschung und den Frust im Gebet loslassen. Der Zufall wollte es, dass ich meinen Kollegen am Tag darauf in einem Schiedsrichterkurs traf. Ohne lange Smalltalk zu machen, kam er direkt auf mich zu, entschuldigte sich in aller Form für die Umtriebe, die ich in Dortmund hatte. Es sei ihm nicht recht und er werde natürlich die Kosten für die BVB-Tickets selbst übernehmen.

Das war für mich ein krasser Moment, weil ich einmal mehr direkt vor Augen geführt bekam, wie biblische Weisheiten als Kompass funktionieren und was es heissen kann, wenn aus geduldiger Reaktion eine überraschende Herzensveränderung geschehen kann. Und vielleicht war es einfach nur Gott, der für Gerechtigkeit gesorgt hat.

Hier findest du weitere Beiträge der Sprüche-Serie.

Zum Autor: Florian «Flo» Wüthrich ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er liebt es, das Evangelium authentisch und gesellschaftsrelevant zu kommunizieren und als Brückenbauer in der christlichen Szene zu wirken. Flo ist seit über 25 Jahren als Journalist tätig. 2014 wechselte er vom Radio- in den Online-Journalismus zu Livenet. 2023 hat er die Verantwortung als Livenet-CEO übernommen. Als Talkmaster, Redaktor und Redaktionsleiter Hope Schweiz bringt er seine Stimme jedoch weiterhin auf allen Livenet-Portalen ein.

Datum: 19.06.2026
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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